Günter Wirth
Günter Wirth

1961:  Wundstraße 19***

Aber Dagmar war vernünftig  und machte das Verhältnis  in ihrer Klasse nicht publik. Zum Glück war es nicht Günters Klasse  und sie auch nicht seine Schülerin.  Aber peinlich und unangenehm  war es doch  und hätte zu Konsequenzen geführt.  Sie trafen sich  in der Folge, aber nicht  in Westberlin, denn die Berufsschülerinnen  kamen ja alle aus allen Ecken Westberlins.  Sie fuhren  mit der S-Bahn zusanmmen  nach  Ostberlin in den  Trepfower Park,  aber solange sie  noch in Westberlin waren,  stiegen sie in getrennte Abteile ein.

Ihre Eltern  haben von dem Verhältnis  erst durch ihren Cousin erfahren  als er einmal  bei seinen Verwandten zu Besuch war.

 

Er wa ebenfalls als Bäckerlehrling  Schüler der Nahrungsmittel-Berufsschule.   Dagmar war in der  Klasse für Fleischwaren-Verkäufe- rinne

.

Günter  mußte wieder einmal  für eine Woche  nach Paris  um Aufnahmen  für Dia-Vorträge zu machen  und nahm  Dagmar  mit.  Am Place Vendom klingelte er  im ersten Geschoß  eines der Herrschaftlichen Häuser und bat um ein Foto der Vendom-Säule aus einem Fenster zu machen.  Dagmar wartete auf dem Gegweg und Günter sah aus dem Fenster  wie sie bereits von einem Franzosen ange- sprochen war. Das hätte für ihn eigentlich eine Warnung. sein müssen. (Siehe Blog 1961: Paris, La Madeleine !)

 

Aber ihre Mutter wollte sich den Oberstudienrat für ihre Tochter warm halten und verwöhnte ihn nach Stich und Faden.  Günter Wirth 

übernachtete öflers bei den Kinkers.

 

Als Dagmar schwanger wurde ging Ihre Mutter mit Dagmar und Günter Wirth  zwecks Abtreibung  zu mehreren ihr bekannten  Ärzten. Aber vergebens.  Dann gab in Ostberlin  die bei dem Staatspreisträger André Asriel  wohnende Uta  Bischoff ihm den Tipp, zu einem

westberliner Arzt am Kurfürtsten Damm zu gehen,  der aber ausschließlich nur Ostberliner Frauen behandelt. Dagmar müsse sich als solche anmelden  und ihm 300 Ostmartk (ca. 75 Westmark) zahlen. Günter Wirth brachte Dagmar zu dem Haus  und wartete  auf sie

auf der Straße . Nach der erfolgten Behandlung  brachte er sie  zurück  nach Hause.  Sie hatte alles nicht ganz vertragen  und mußte sich ins Bett legen 

 

Als Dagmar 18 wurde, heirateten sie standesamtlich.  Die Feier war im engsten Kreis.  Günters Eltern waren  total überrascht. Zu der

Feier im engsten Kreis  waren  außer den Brauteltern  nur die Trauzeugen  und als einziger   Fremder  Dagmars  Kassenlehrer einge-

laden. Die Hocheitsnacht  verbrachten sie in einem Hotel am Stuttgarter Platz. Die Wirtin stifftete einen Hochzeitsstrauß.  

 

Heinrich Wirth ging mit seinem Sohn  auf Wohnungssuche und sie fanden  in der Ckarlottenburger Wundtstraße  am Kaiserdam  und

dem Lietzensee eine leerstehende 4-Zimmerwohnung im 1. Stock   des Hauses Nr.19.  Als sie mit der Hauseigentümerin, die gegen-über  der angebotenen Wohnung  in einer 5-Zimmerwohnung lebte,  sagte sie,  daß sie  sich verkleinern wolle  und selbst  in die 4er-

Wohnung ziehen würde,  wenn sich Günter Wirth  für die größere Wohnung,  die nur unerheblich teurer sei,  entschließen würde.  Er

stimmte zu. Die kleinere Wohnung wolle sie für sich renovieren lassen und für Günter würde dann die große Wohnung in drei Mona-ten frei sein.

 

Günter und Dagmar nahmen sich für die drei Monate ein Zimmer in der  Schillerstraße in der Nähe der Wilmersdorfer Stra8e.   Beide

richteten sich  das Zimmer mit Orienteppich, arabischen Möbeln und Agaven ein. Währen Dagmar arbeiten ging, benutzte Günter die

leerstehende Küche  als sein zweites Berliner Atelier  und schuf  etwa 20 bis 25 Bilder  mit Häuserlandschaften Strombolis  nach den

Fotos,  die  Eberhard Purrucker  mit  Günter Wirth  auf Stromboli  gemacht hatten.  Sie waren alle  mit den  reduzierten Farben Weiß, Volettblau und Schwarz auf Hartfaserplatten, die mit einem Gemisch aus Leim, Sand und Gips grundiert waren, wie sie Günter schon

in Neapel benutzte.

 

Die Bilder (siehe unter Abstrakte Bilder !)  wurden von ihm in  Fließbandarbeit gemacht   und sollten billig  in der   Weihnachtverkaufs- austellung im Charlottenburger Rathaus für minderbemittelte Käufer angeboten werden. Zum Ärger Günter Wirth´s kamen ihnen aber

die Charlottenburger Verwaltungsämter zuvor und kauften alle Bilder weg.

 

Als die drei Monate vorbei waren zogen Dagmar und Günter  in die leerstehende 5-Zimmerwohnung ein.  Damals hatte die Wohnung nonch  Kachelöfen. Sie wurden aber vom Haus aus abgerissen und in den vorderen zwei goßen Zimmern, Balkon- und Erkerzimmer, 

duch Elektro-Speicher-Öfen ersetzt.  Sie sahen nicht schlecht aus,  aber wenn sie sich  nachts  aufheißten  und tagsüber  die Wärme  abgeben sollten, waren sie bereits nach den ersten Morgenstunden leer.  Die Technik war so schecht für die großen und hohen Räu- me berechnet, daß sie bereits nach den ersten frühen Morgenstunden leer waren und keine Wärme mehr spendeten.

 

Für das klene Einfensterzimmer neben den Schlafzimmer, das ein Durchgangszimmer von der Diele und Toilette zum Flur war, kauf- ten sie einen Ölbrenner der leicht zu bedienen war und das Zimmer gut wärmte.  Als Günter die Wohnung  zur Galerie Dagmar Wirth machte, die dann in Galerie Wirth Berlin umbenannte wurde, zog nach der Scheidung Dagmar  in das Zimmer ein.

 

Die beiden große Raüme,  das Balkon- und Erkerzimmer,  tapezierten Dagmar´s  Vater mit ihrem Schwager.  Den Flur  und die Diele übernahm  Günters Vater. Die  Diele  trennte er optisch  vom Flur  durch einen  Rundbogen.  Den irre langen  und emens hohen Flur

machle er durch Einziehen einer Zwischendecke wohngerechter. An beiden Flurseiten wurden Kantholzleisten in  ausgestrekter Arm- höhe angeschaubt  und mit Drahtstiften  zum Anhängen von Bildern versehen  Auf die Kanthölzer  wurden 80 cm breite Novopanplat- ten gelegt. Jede einzelne  konnte mam, wo immer man wollte,  hoch stemmen  und so den Boden darüber  zum Ablegen  von allerlei Sachen zugänglich machen.

 

Für die Diele spendierten Manfred Thiele und Lutz König eine graue Auslegware als nachträgliches Hochzeitsgeschenk.

 

Am Ende des Jahres  machte Berlin  eine  Wehnachtsverkaufsausstellung für Künstler  und solche,  die sich als solche  betrachteten. Die Weihnachts-Verkaufsausstellung   war nur für in Berlin  ansässige Künstler  und man stelte ihnen   die Flure und leeren Klassen-

räume in einer ehemaligen Schule in der Joachimsthaler Straße zum Aufstellen ihrer Stände zur Verfügung. 

 

Günter Wirth  hatte in einem Raum  einen Stand  mit seinen Arbeiten aufgebaut.  Für Dagmar  wurde es  neben Günter zu langweilig  und sie  schlenderte  in den Räumen umher.  In einem der Zimmer  traf sie auf einen  vorrübergehend  im Süden Berlins wohnenden Tiroler Künstler und sie hockte sich zu ihm. Er hatte in seinem Berliner Haus außer seinem Atelier  noch eine Praxis für Unterricht im Trockenski und fuhr einen Porsche.  Dagmar begann bei ihm Unterricht  zu nehmen.  Während  Günter Wirth seine Galerie behütete  holte er sie mit seinem Porsche ab.  Wie Günter dabei zu Mute war, ist nachvollziehbar.  

 

Dagmar teilte ihm mit, daß sie über Weihnachten zu einem Skiurlaub nach Tirol fahren wollte. Günter blieb allein.  Seine Freunde und Bekannten äußerten sich.  Uta, die bei dem  Natiolalpreisträger  Jens Gerlach  im Majakowskiring  in Pankow  ein Zimmer bewohnte, 

schätzte sie nur  als dumm und geil ein.  Sein Freund  Manfred Thiele  meinte,  ihr wäre der soziale Klimmzug  nicht gelungen.  Beide

hatten Recht. Aber man muß Dagmar zugestehen, daß die Umstellung von einem zu fünf Zmmern zu viel war. Und da sie nun verhei-

ratet war, hallen ihre Eltern ihr nichts mehr zu sagen. 

 

Als  Dagmar  nach ihem Skiurlaub  wieder in Berlin war,  häuften sich die Telefonanrufe,  die Fräulein Wirth verlangten  und die Freier standen vor dem Haus Schlange.

 

Eberhard Purrucker, den Günter 1955 auf   Stomboli kennen gelernt hatte, traf sich häufig mit Günter Wirth. Als er mit sener Frau und mit Dagmar und Günter zusammen ausgingen und er mit Dagmar an der Bar saß, meinte Frau Purrucker zu Günter unter Hinweis zu Dagmar, daß sie genau die Kragenweite für Eberhard sei. 

 

Eines Morgens als Günter Wirth zur Schule nach Kreuzberg fuhr  und am U-Bahnhof Sophie-Charlotte-Platz einsteigen wollte,  sah er Eberhard  auf einer Bank  des gegenüber liegenden Parkes  sitzen.  Als er nach zwei oder drei Stufen zurückging,  war die Bank leer.

Er hatte nur  Günter  im U-Bahnhof   verschwinden sehen wollen,  um ungestört   zu Dagmar  zu gehen. Wie  Günter Wirth  dann den Unterricht überstand, kann man sich denken.

 

Als der Rote Zinnober gefeiert wurde  saß  Dagmar mit einem Kommilitonen  an eimém Tisch und wollte nicht mit,  als er nach Hause gehen wollte. Er brachte sie dann Stunden später und sie veranschiedeten sich an der Haustür.

 

Dagmar´s Eltern hatten kein Telefon und die Beziehung zwischen  ihr und den Eltern verlief schleppend. Sie fuhr angeblich öfters  sie

besuchen, aber die Busfahrscheine, die Günter fand, zeigten immer in eine ganz andere Richnung, nur nicht nach Neukölln. Er konn-

te das nicht kontrollieren, da er mit ihren Eltern keine Verbindung aufnehmen konnte.

 

Dagmar  hatte es auf dem Skiurlaub gefallen  und sie wollte zu Ostern wieder nach Tirol. Günter spach mit ihr und schlug eine Schei- dung vor. Sie willigte ein und sie beschlossen einen Anwalt aufzusuchen. 

 

Das Verhältnis zwischen Dagmar und Günter  änderte sich nicht.  Sie waren weiterhin als Frau und Mann ein Ehepaar  und schliefen 

Nacht für Nacht gemeinsam. 

 

Sie gihngen zu einem Anwalt am Kurfürstendamm, der eine Kunde von Günter Wirth war.  Der Anwalt riet ihnen, daß es besser wäre  wenn  Günter alle Schuld auf sich nähme  und  wegen  ´unüberwindlicher Abneigung ´  die Trennung will.   Wegen ´unüberwindlicher Abneigung´, wenn das der Richter gewußt hätte:  In der Nacht vor dem Scheidungstermin  feierten  sie Abschied  von einander,  undheulten beide wie die Schloßhunde.

 

Sie machten einen Vertrag,  daß Dagmar  außer des gemeinsamen Bausparvertrages  keine weiteren Forderungen an ihn stellt.  Sie 

wollten sich  im Guten trennen.  Nach der richterlichen Scheidung   wollte sie nur  seinen Ehering  zurück haben  und  einen weiteren Schmuckring.  Das ihr geschenkte Bbild ´A Marechiaro ce sta ´na fenesta´, an den Günter sehr hing,  gab sie ihm zurück. Der Anwalt bekam ein großes Leinwandbild von Peter Schmiedel und für seine Auslagen an Papieren 85,00 DM.

 

Der Bausparvertrag lief 3 Monate später ab  und sie wollten ihn nicht  vorher kündigen. Deshalb zog sie  sich nach der Scheidung  in das  kleine Mädchenzimmer  neben  dem Schlafzimmer zurück.  Sie nahm eine Stellung  in einer VW-Filiale an,  lernte  einen jungen Arbeiter mit einem Kleinwagen kennen, der ihr ständiger Begleiter wurde, sie zu ihrem Zimmer zurück begleitete und auch dort über-

nachtete. Die Wand zu dem Mädchenzimmer war ziemlich dünn, aber sie stelten das Radio so laut ein, daß Günter zum Glück nichts

mitbekam.  Nach den 3 Monaten  wurde der Bausparvertrag ausgezahlt  und zwischen ihnen geteilt. 

 

Günters  Freundin Ingrid wußte daß er geschieden war, aber Dagmar noch drei Monate wegen Auflösung eines  Bausparvertrages in 

seiner Wohnung lebte.  Sie lernte Dagmar und Klaus kennen  und mit  seinem Kleinwagen  fuhren sie zusammen zu Viert öfters aus. Als der Bausparvertrag ausgezahlt und geteilt worden war zog sie aus. Auch das Verhältnis zwischen Dagmar und Klaus war nun zu

Ende.

 

Klaus kam  noch hin und wieder   aus Anhänglichkeit  zu Günter Wirth ihn besuchen.  Er tat ihm Leid und er tröstete ihn.  Er hätte ihn warnen  und ihn über Dagmar ausklären müssen,  aber das konnte  er vorher nicht  und es wäre bei ihn auch nicht angekommen.

  

Günter sah Dagmar nie wieder.  Aber sene Tante Else hat sie einmal in der Müllerstraße gesehen und gesprochen.

 

ENDE  (überarbeitet am 9Juni 2018) *** FERTIG