Günter Wirth
Günter Wirth

1961: Mindener Straße 19***

Wenn Günter Wirth  seine Freundin Dagmar  von zu Haue in der Neckarstraße in Neuköllnen abholte,  und sie  zusammen  mit der S-Bahn nach  Jungfernheide  und in die  Mindener Straße fuhren,  so stiegen sie zwar in den selben Wagon, aber in zwei verschiedene Abteile ein. Sie durften nicht zufällig zusammen gesehen werden.

 

Günter´s Eltern und seine Großmutter Luise Ölberg hatten sich an Dagmar gewöhnt. Sie saßen zusammen am Fernseher und sahen

sich die Tagesschau an.  Wenn sie vorbei war,  hatten es beide immer  sehr eilig zu gehen.  Günter gab vor,  Dagmar nach Hause zu

bringen, denn der Weg von Charlottenburg  nach Neukölln war weit.  Sie ließen es dann aber meistens sein  und gingen lieber in den

Volkspark Gustav-Adolf-Platz (Heute Mierendorffpatz). Er lag am äußersen Ende der Anlage an einer Fabrik  und war rundum mit un-

durchsichbarem Buschwerk und rückenfreien Parkbänken ausgestattet.  Für ihr Vorhaben waren sie bestens geeignet. War die Witte-

rund schlecht war oder es regnete,  blieben sie im Haus und stiegen zum fünften Stock rauf  und machten es sich auf dem Übergang von der links liegeneden Waschküche  zum rechts liegenden Trockenboden bequem. Dagmar mußte dann ohne Begleitung nach der

Neckarstraße fahren.

 

Im Vorderhaus  waren die Wohnungen geräumiger.  Im dritten Stock  wohnte eine Freundin von ihr,  die für sie ein denkbar schlechter

Umgang war.  Beide waren öfters über die  Kasernenmauer des Quartier Napoléon  zu den Franzosen geklettert.  Es waren blutjunge Burschen, die zur mulitärichen Ausbildung nach Berlin kommandiert wurden.

 

Die Anfänge  des Kasernengeländes  waren die 1935/36  errichteten Gebäude des Luftschifferbatalions Nr.1,  die nach und nach  zur 

Kaserne  des Luftwaffen-Infanterie-Regimentes  General Göring (Hermann-Göring-Kaserne) ausgebaut wurde   Es war seit 1935  die

Fallschirmjäger-Panzerdivision Hermann Görings. Die Dächer waren mit Ziegeln gedeckt.  Darunter verbarg sich allerllerdings wegen

der Luftangriffe ein Stahlgerüst in Spanbetonskelettbauweise. 

 

Als eines Spätabends Günter Dagmar nach Hause brachte,  war ihre Freundin mit einem Jungen im Hausflur bei der Sache. Die aber

schloß sich Dagmar an  nach der Kinkerschen Wohnung  und sagte  über der Schulter hinweg  zu dem Jungen,  er solle allein weiter- machen.

 

 

 

 

 

 

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