Günter Wirth
Günter Wirth

1961: Casaleon***

Günter Wirth ging 1961 mit seinen italienischen Freunden in die Tanzbar CASALEON in der Neuköllner Hasenheide 69,  einem Tanz-

Palast am Südstern.  Es war wie immer  voll gefüllt und die Leute drängten sich an der spielenden Band  Da schob sich ein Mädchen zwischen die Italiener und Günter und lehnte sich mit ihrem Rücken an seinen Bauch   Es war ihm nicht unangenehm,  aber er rückte etwas nach hinten. Sie folgte ihm  und lehnte sich weiter an ihn.  Das wiederhote sich einige Male.  Als die Band ein neues Stück be- gann,  forderte er sie zum Tanzen auf.  Sie schmiegte sich eng an ihn.  Während des Tanzens unterhielt er sich weiter  auf Italienisch

mit seinen Freunden. 

 

Nach Beendigung einiger Tänze mit ihr wolle er sie nch Hause begleiten.  Sie hieß Dagmar Kinker und wohnte in der Neckarstraße in

der Nähe des Rathauses Neukölln und der S-Bahnstation Neukölln. Sie mußten die Hasenheide entlang gehen und kamen am Volks-

park Hasenheide  vorbei  und machten   an einer Bank  halt. Sie setzten  und küßten sich  und es kam zu dem,  was kommen mußte.

Plötzlich  sagte sie  zu ihm,  warum er denn  italienisch spreche,  er sei doch kein Italiener,  sondern  ein Lehrer ihrer Schule   Na, das hatte gerade noch gefehlt! 

 

Sie lernte an der Berufsschule für das Nahrungsgewerbe in der Klasse für Fleischereiverkäuferinnen. Er unterrichtete auch in solchen Klassen,  aber zum Glück nicht in ihrer.   Auf dem weiteren Weg erklärte Günter ihr die Situation.  Es wäre mehr als peinlich  und sehr

unangenehm,  wenn das in der Schule publik würde.  Dagmar verstand es und teilte es  keiner Ihrer Klassenkameradinnen mit. Wenn er auf dem Flur ihrer Klasse Aufsicht hatte  und sie vorbei gehen mußte, kannten sie sich nicht.  Sie vermieden es, zusammen auf der Straße oder in einem Verkehrsmittel zu sein, denn die Berufsschüler in Wilmersdorf kamen ja aus allen Stadtteilen Westberlins. Wenn

er sie  von  ihrer Wohnung  abholte  und sie  zusammen  mit der S-Bahn nach  Jungfernheide  und in die  Mindener Straße fuhren, so stiegen sie zwar in den selben Wagon, abe in zwei verschiedene Abteile ein. Sie durften nicht zufällig zusammen gesehen werden.

 

ENDE  (Fertiggestellt am 22.1.2019)