Günter Wirth
Günter Wirth

1959: Ninetta***

Günters Wirth´s Freundin Ninetta (17) beim Aufhängen der feuchten Wäsche

Im Sommer 1959  wollte Günter Wirth wieder zu seinem neapolitanischen Atelier fahren und  diesmal von dort aus die Trullis Apuliens

aufsuchen. Sein älterer Freund  und Kommilitone  Edmund Pfundt bat ihn um seine Mitnahme nach Neapel.  Dort ging Günter mit ihm zu seinem alten Atelier.  Aber wie hatte sich das alles  in einem Jahr verändert!   Das ehemalige Studentenzimmer hatte sich zu einer Absteige und danach zu einem Casino (Bordell) gewandelt.  Aber Großmutter Esposito freute sich,  ihren ´Signore Dottore Ingenieure Artsti Professore´  wiederzusehen. Iwanno, ihr Enkel, dem Günter´s vorjähriger Mitbewohner, ein Pauke studierender Berliner Student

einen Holzbaukasrten zum Weihnachtsfest schickte, bedankte sich dafür nun bei Günter Wirth. 

 

Günter und Edmund richteten sich in dem alten Atelierzimmer ein und gingen mit Stativ und Kamera zum Corso Umberto zurück und 

bauten sich vor dem Haus Nr.1 auf, wo  sein Freund Tuillio Pellone wohnte.Sie machten in der beginnenden Dämmerung Aufnahmen 

der beleuchteten Fenster und Laternen. Passanten gehen an Ihnen vorbei.  Drei junge Frauen kommen untergehakt auf sie zu. Plötz- löst sich eine von ihnen und kommt laut rufend "Gio Gio" auf sie zugerannt, höchst ungewöhnlich für eine Neapolitanerin. Es ist seine

ehemalige Freundin Ninetta, die er 1954 kennen gelernt hatte, damals 12 Jahre alt.war (siehe 1954: Vincenzo, Ninetta !)  In  den fünf

Jahren  war sie  zu einer hübchen jungen Dame  von 17 Jahren gereift.  Die ehemalige Wohnung der Familie  in einer Garage  in den

Slums am Bahnof  war abgerissen worden.  Die Familie wohnte jetzt in einem viergeschossigem Altbau.  Sie schrieb ihm die Adresse auf.

Am nächste Morgen stehen Edmund und Günter früh auf und gehen den langen Flur entlang zur Küche um sich am Wasserhahn der Spühle zu waschen. In der Küche hatte sich noch nichts verändert. Der Abort stand noch wie letztes Jahr nur mit einem Vorhang ver-deckt inder linken Ecke der Küche. Ein Waschbecken war auch noch nicht vorhanden.

 

Als die beiden den Flur entlang gingen, standen die Putane (Nutten) in ihren Zimmertüren und begutachteten die gestern Nachmittag

angekommenen Männer.  Edmund war ja ein Naturbursche,  hatte  eine braun gebrannte Brust, von der sich weißblond die Wolle ab-hob. Die Putane betasteten vorsichtig seine braune Brust und wühlten mit den Fingern in seiner dicken Wolle. Sehr unangenehm war

es Edmund nicht, doch er beschleunigte seine Schritte.

 

Eine junge  und ziemlich hübsche Putane  hatte es auf Günter abgesehen  und bot sich ihm billig  für 35 Lire (3,20 DM) mehrmals an. Sie war  immer enttäuscht,  daß er  stets ablehnte.  Er mußte für Apulien  ja sein Geld  zusammen halten.  Umsonst  hat sie sich  ihm aber nicht angeboten, das hätte ihe Standesehre ihr auch nicht gestattet.

 

Nach der notdürftigen Morgenwäsche  gingen sie in eine Osteria zum Frühstücken  und machten sich danach auf  zu der Günter auf-

geschriebenen Adresse.  Sie fanden  Ninetta  (17)  mit zwei älteren Frauen  und drei Plettbrettern,  die Wäsche  von Kunden  bügeln. Viel Zeit hatten sie nicht.  Die Frauen wollten ihre Arbeit verrichten  und wurden ungeduldig.  Günter machte  noch schnell  drei Fotos von Ninetta.  Sie  drängte sich  mehrmals  an Günter  und raunte ihm  zu  "Sposa me", Sposa me". (Heirate mich!).  Günter  kommen noch heute  2019 die Tränen  wenn er daran denkt.  Heiraten, das war damals  für ihn  unmöglich.  Er hatte  seine Examen  noch vor sich,  war ohne Einkommen  und lebte noch  in der Wohnruine   bei seinen Eltern  und war von seinem Vater weiterhin abhängig.  So verabschie deten sie sich und gingen enoch einige Besichtigungen machen.

Edmund   hatte genug von Herkulaneum und Neapel,  oder hatte noch  etwas anderes  zu tun  und wollte zurück nach Berlin. Günter  brachte ihn  am kommenden Morgen  zum Bahnhof  und zum  Zug nach Rom.  Dann wartete er 30 Minuten auf den seinigen, der ihn nach Bari, der Hauptstadt Apuliens bringen sollte.

 

ENDE***  (bearbeited und fertig 2.2,2019)  (Weiter siehe Blog Bari)