Günter Wirth
Günter Wirth

1959:  Magistrat und Vopo

Hier ist vieles richtigzustellen.  Auf dem  Bahnhof Friedrichstraße hatte sich Günter Wirth mit  einem Grenzoffizier unterhalten und ihn nach seinen Direktiven gefragt. Wir haben keine, es ist für uns lediglich Ermessungssache, sagte er. Dazu seine Erfahrungen:

 

Günter Wirth´s 1954 in der Universität von Neapel kennengelernter Freund Lucio Amelio, der in Resina mit seiner Mutter und vier Schwestern wohnte, und mit dem Günter Wirth, weil Lucio ein besseres Deutsch lernen wollte, fast täglich zusammen war, hat er bei seinem zweiten Aufenhalt 1955 in seinem neapolitanischen Atelier eingeladen nach Berlin  zu kommen. Lucio war wegen fehlendem Pass noch nie in Deutschland. Sein Vater lebte getrennt von seiner Familie und war Kapitalist, Fabrikunternehmer. Lucio war in der  

Kommuistischen Partei. Sie lebten jeder sein eigenes Leben, sie hatten nichts miteinander zu tun. Lucio ist im Spätsommer nach Ber- lin gekommen und hat in Günter Wirth´s Wohnung in einem baupolizeilich gesperrten Zimmer geschlafen. Großmutters Kaffee hat er immer als Schwarze Suppe bezeichnet. Sie haben sich aber glänzend verstanden. 

 

Als Günter und Lucio mit einem Mietwagen unterwegs waren und nach Ost-Berlin zum billigeren Tanken fahren wollten blieb der Wagen kurz unter dem  Brandenburger Tor wegen Benzinmangel stehen. Etwa hundert Meter weiter wartete eine Gruppe von Volks- polizisten  und sie wunderten sich, daß der Wagen nicht weiterfuhr. Ein Polizist kam gemessenen Schrittes auf die Beiden zu und als er den Grund erfuhr lachte er und pfiff. Fünf oder sechs Mann kamen herbeigeeilt. Sie schoben den Wagen ein kurzes Stück die Linden entlang und bogen dann links in eine Nebenstraße zu einer Tankstelle ein.

 

Mit einem Freund, einem Sammler von Zinnfiguren und Schiffsmodellen fuhr Günter Wirth nach Dresden zu Peipp, einem der Be- kanntesten Zinnfigurenhersteller der DDR. Sie wollten für ihre Sammlungen einige der begehrten Peipp-Figuren kaufen. Als Gast- geschenk nahm Günter Wirth ein kleines Mercator-Modellschiff mit. Als Peipp seinen Kühlschrank öffnete, den er als Regalschrank umgebaut hatte, kamen beide nicht aus dem Staunen raus und Günter schämte sich für sein Mitbringsel. Was sahen sie für groß- artige Schätze an Schiffsmodellen, von wahnsinnig teuren Neptun-Modellen aus Österreich. Wie kommt ein DDR-Mensch dazu? Was muß es da für Kanäle geben?

 

Aber Günter Wirth und sein  Freund wollten ja Firuren. Sie  suchten sich eine Zigarrenkiste voll aus,  beazahlten und fuhren nach Hause.  An der Grenzstation, an der Bornungsholmer Brücke wurdenn sie herausgewunken und  kontrolliert. Die Volkspolizisten fanden die Kiste mit den Figuren, nahmen sie und verschwanden in der Zollbaracke. Die beiden Jungen warteteten  und  warteten. Nach einer Stunde des Wartens überdrüssig ging Günter Wirth zu der Baracke und öffnete die Tür und mußte laut lachen. Da standen etwa 15 bis 20 Grenzpolizisten an einem riesen Tisch  und spielten mit den Figuren. "Na, dann können wir ja lange warten". Der Vorgesetzt lachte ebenfall. "Sie wissen, daß die Ausfuhr dieser Sachen verboten ist?" Günter bejate, der Offizier packte die Figuren in die Kiste, klappte den Deckel zu und gab die Kiste Günter.

 

Gertrud Brinkmann hatte eine Anstellung bei einem Zeitungsverlag gefunden und sollte einen Bericht über das Babelsberger Filmge- 

lände schreiben. Sie besuchte Günter Wirth und blieb bei ihm drei Tage wohnen. Sie fuhren zum Magistrat, denn sie brauchten doch Passierscheine. " Für Sie als Westdeutsche kein Problem,  aber nicht für Sie als West-Berliner. "Was machen sie denn beruflich?".   Ich wies mich als Maler und Mitglied des  DDR Berufsverbandes Bildender Künstler aus. "Maler?  Dann können sie doch auch zeichnen!". Günter Wirth bejate. "Dann fahren Sie als Pressezeichner mit." Und so hatte Günter Wirth seinen Passagierschein als Pressezeichner.

 

Als ich mit Jens Gerlach auf dem Alex spazieren ging und ich gesprächsweise sagte, man könne ja in der DDR nicht alles sagen was

man neine, sage er nur, warte mal und ging zu dem auf einem Podest stehenen Verkehrspolizten und sagte  "mein Freund aus West-Berlin  glaubt  man könne  in der DDR  nicht  seine  Meinung sagen,   da fragte ihn der Polizist, "welche hast du denn?"  Jens gab zur

Antwort  "Ich bin der Meinung,  der Zentralrat ist ein Drecksverein",  da beugte sich der Polizist runter und sagte  "Der Meinung bin ich auch".

 

Also: wenn man sich anständig verhält, wird einem immer geholfen. Wenn man die Volkspolizei nicht provoziert, ebenfalls.

 

ENDE