Günter Wirth
Günter Wirth

1958:   Majakowskiring

In der Eierschale, die der Geschäftsführer der wegen Baugefährdung geschlossenen Kajüte am Breitenbachplatz aufgemacht hatte, lernte Günter Wirth Uta Bischoff kennen.  Sie war ihm mit ihrem bohemen Aussehen aufgefallen.  Sie trug langes offenes schwarzes Haar  und hatte Sandalen an,  deren Lederriemen  gekreuzt  bis an die Knie reichten. Sie war erst vor kurzem  aus Mannheim  nach Berlin an die Spree gekommen.  Als er sie nach Hause begleiten wollte ,zögerte sie,  es wäre sehr weit,  sie wohne in Pankow.  Wie kommt eine Westdeutsche Mannheimerin nach Pankow in Ost-Berlin?

 

Uta war eine Tochter von kommunistischen Eltern die in Westdeutschland keine Arbeit bekamen.  Für sie war ein Fortkommen unter diesen Umständen nicht möglich und hatte beschlossen ihrer älteren Schwester Katja zu folgen,  die bereits einige Jahre zuvor nach Berlin gegangen war    und dort als ausgebidele Balletttänzerin das KInderballett der Staatsopper leitete  und den  Filmemacher und Lyiker Jens Gerlach geheirat hatte.

 

Aber jetzt erstmal zu Uta.  Sie war bei dem Nationalpreisträger André Asriel  untergekommen,  der sich als Musiker und Schriftsteller von Jazzmusikstücken  einen Namen gemacht hatte . Er wurde 1903 in Wien geboren,  konnte 1938 nach England entkommen  und fand dort  zu der Exilorganistion der FDJ, die sein Studium finanzierte. Aus Dankbarkeit  ging er 1946 nach Ost-Berlin, aber studierte  in  West-Berlin an der Hochschule für Musik,  wo er 1948 sein Staatsexamen Klavier machte. Von 1950 bis 1951 war er dann an  der  Deutschen Akademie der Künste Hanns Eisler in Ost-Berlin als Meisterschüler, wurde dort Dozent und Professor an der Hochschule, für Musik Hanns Eisler. André Asriel und Günter Wirth verstanden sich prächtig. Beide verband der Jazz.

 

André Asriel und die bei ihm untergeschlüpfte Uta   wohnten im Majakowskiring in Pankow.  Das Gebiet war ein gesicherter und total abgesperrter Ort für einige Regierungsleute wie Johannes R. Becher, Wilhelm Piek und andere.  Die West-Presse sprach immer von der Pankower Regierung, denn eine Deutsche Regierung und dazu noch in der Reichshauptsadt Berlin durfte es ja nach der Auffas- 

sung der Ideologie der Kolonie BRD eben nicht geben. So ein Quatsch!
 

Durch Uta und André hatte nun auch Günter Wirth als Besucher freien Zugang zu dem Bezirk und ahnte damals noch nicht, daß sein Sohn Jussuf Wirth nach der Wende mit seiner Familie dort vorübergehend wohnen würde.

 

Günter Wirth war natürlich oft zu Besuch im Haus von André und machte viele interessante Bekanntschaften . Im linken Nebengrund- stühk wohnte  Ludwig Renn von dem er bereits 2 Bücher besaß.   Nun lernte er ihn persönlich kennen.  Er war im spanischen Bürger- krieg  Stabschef der XI. Internationalen Brigade. Nach dem Kennenlernen  und der intensiven Befragung  von Günter Wirth  schenkte

er ihm ein Buch   mit einer ganz persönlichen Widmung. Am Ende der Straße lernte er die Witwe von  Erich Weinert (1890-1953) ken- nen,  einen Schriftsteller und  Spanien-Frontberichterstatter  und im  2.Weltkrieg  in Sowjetrußland   Präsident des Nationalkommitees

Freies Deutschland. 

 

Als Günter 1955  aus seinem Atelier in Neapel  nach Berlin zurückkam und Uta anrief, herschte sie in an: " Mach keinen Quatsch und komm nach Haus, die Kartoffel werden kalt!". Günter Wirth war verblüfft und machte sich auf dem Weg zum Majakowki Ring. Sie hat- 

te  während seiner dreimonatigen Abwesenheit den Leipziger Gesellschaftswissenschaftler Eberhard Richter kennen gelernt und ge-heiratet. Eberhard war sehr sympathisch und Günter freundete sich mit ihn an. Er hatte einen schwarzen Pudel, auf der Straße mußte

man ihm beim Pinkeln einen Hinterlauf anheben und wenn man ihn im Zimmer scharf  " Conny " anrief, sprang er auf die Couch, warf

sich auf den Rücken, spreitzte alle Viere von sich und machte einen Strahl in die Höhe.  Günter Wirth konnte es nicht lassen  und gab den Ruf von sich, was ihm nach dem Erfolg beide nicht dankbar waren.

 

Nun war das Ehepaar  für Utas Zimmer bei  André zu klein  und durch Beziehungen bekamen sie vorüber gehend eine  Dachkammer im  Seitenflügel   des Clubs der Theater und Filmschaffenden. Nun also auch für Günter Wirth  eine zusätzliche Möglichkeit dort aus- und einzugehen. Günter Wirth lernte viele  Schauspieler, Regisseure und Drehbuchautoren kennen,  unter anderem auch Kunert und Kalau die dann mit Jens Gerlach arbeiteten, später aber wegen Henselmann nach Westen machten.

 

Nac h der Wende   fanden sie eine Wohnung  in der Schönhauser Allee. Als Günter Wirth  an der Wohnungstür kligelte, ertönte hinter der Tür eine Knabenstimme " Opa, bist du das ?". Günter Wirth erschrak, denrn er dachte, daß ihm Uta oder Eberhard öffnen. Er war 

zwar ein Opa, aber daß Uta und Eberhard?  Wie doch die Zeit vergeht?!.  Er verdrückte sich schnell.

 

ENDE

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