Günter Wirth
Günter Wirth

1955: Stromboli ***

Günter Wirth, Gouache " Una mulina ", 1955, Tempera mit Gummiwalze auf Zeitungspapier gedruckt

Günter Wirth  hatte für die Studentenorganisation Corda Fratres, Sectione di Napoli, als Mitarbeiter  jeden Donnerstag den Transport  

westdeutscher  und skandinavischer  Studenten  und Dozenten  vom Bahnhof Napoli abgeholt  und den Corso Umberto entlang  zur

Mensa der Universität zum Mittagessen geführt.  Für ihn war es der einzige Tag in der Woche, an dem er zu einem kostenlosen Mit-tagessen kam. Es gab immer das gleiche, Spagetti mit Tomatensoße und Parmesan zum darüber Streuen. Beim Parmesan langte er

besonders kräftig zu. Nach dem Essen führte Günter Wirth die Gesellschaft zum Hafen und zum Schiff nach Stromboli. Die Skandina- vier verstanden das Deutsch von Günter, weigerten sich aber hartnäckig auf Deutsch zu antworten. Neun Jahre nach Kriegsende ! Allein eine Dänin sprach mit ihm Deutsch. Günter Wirth sprach mit den Neapolitanern auf Deutsch und Englisch. Die Neapolitaner nur neapolitanisch oder italienisch

 

Als sie erfuhen, daß er noch nie selbst auf Stromboli war,  luden sie ihn 1955 ein,  für ein oder zwei Wochen auf Stromboli zu bleiben.

Die Gesellaschafft und  er wohnten in Villagio,  einem Komplex mehrerer  von der HfBK Berlin  gekaufter oder  gepachteter Häuser.

 

Stromboli ist eine von der arbeitenden Bevölkerung verlassenene Insel.  Es gibt nichts auf ihr,  selbst das Wasser  muß per Schiff von

Neapel oder Catania herbeigeschafft  und mittels  eines Schlauch  in eine große unterirdische Zisterne gepumpt werden

 

Man glaubt nicht, was darin alles herumschwamm.  Daher kommt wahrscheinlich  die typische strombolianische Krankheit  "Stomaco di Stromboli" (Bauchweh von Stromboli), das von Ärzten Catanias untersucht wird. Europäer, die sich noch nicht akklimatisiert haben

erkranken an dieser Malaria ähnlichen Krankheit nach vier Tagen,  Günter erst nach zehn Tagen,  er hatte  ja schon ein Jahr vorher 3

Monate im Süden gelebt.

 

Man hat keine Schmerzen,  liegt ausgestreckt am Boden  und gibt aber  stark riechende  und dunlelgelb  aussehende Flüssigkeit  von sich. Man hört und sieht alles um sich herum, kann sich aber nicht verständlich machen. Als der Commandante del Porto  La-Mottazu einem Essen einlud und ebenfalls die Dänin, raffte sich Günter Wirth auf. Es gab selbst geschossenen Hasen  in dunkelbrauner Soße mit geschmorten Kapern, die so groß wie ein Daumennagel waren. So etwas hat Günter nie wieder zu Gesicht bekommen. Er war zu  stund an gesund. 

 

Zurück im Villagio.  Aber Günter Wirth blieb nur  eine Nacht dort  weil es von Mosquitos nur so wimmelte. Und so machte er sich nach dem  Früstück auf,  die Insel  zu erkunden. Die Häuser auf Stromboli stehen alle leer.  Der Sindaco (Bürgermeister)  Dorino Cinquotta

bot Günter an, sich ein Haus auzusuchen. Er wählte einen Komplex aus mehreren. Die Häuser hatten  alle keine Möbel mehr  und es

war auch keine Toilette vorhanden.  Es war in Stromboli  keine Kanalisation vorhanden,  man suchte sich für seine Notdurft  eine freie

Stelle in den Klppen. Die Häuser am Meer hatten, so auch Günter´s jetzt, ein zwischen die Lavawände geklemmtes Holzbrett, auf das man sich rücklings setzte. Unter und hinter sich hatte man das Meer. Das Abgelassene fiel oder rutschte die Klippen hinunter in Meer.

Bei einer Sciara del Fuoco (Rundfahrt ums Meer) sah man überall die Rutschpartien in den Lavaklippen. Von seinem Klo mit Ausblick

konnte Günter den Skombolicchio sehen, einen riesigen bewohnten Felsen zwischen der Insel Panarea und Stromboli.

 

Mit einem  antonini (Bergführer) machte Günter Wirth ein Trkking (Aufstieg) zusammen  mit der Gesellschaft der Europäer auf den 93

Meter  hohen Stromboli Vulcano.  Alle blickten  in den brodelnen Schlot.  Der Aufstieg war schwierig  (oder die antonini machten es ?)

Zurück zum Dorf sollte es auf den wackligen Lavabrocken noch schwieriger sein. Günter selte sich von der Gesellschaft ab und nahm

den Weg  über die ehemaligen Lavaströhme. Sie waren steil  und nicht begehbar.  Er rutschte auf seinem Hintern ohne Rücksicht auf die Kleidung immer in Richtung Meer hinunter und war in kürzerster Zeit wieder in seinem Haus. 

 

Günter Wirth  schuf einige Bilder von Stromboli.  Eine Hausecke  mit Tempera auf Leinwand und eine Gouache. Gouchen hatte er be

reits  bei seinen Aufenthalten  in Paris gemacht ´La Butte´, ´Hinter Sacre Coer´, ´Boulevard´,  (Siehe Abstrakte Arbeiten!). Sie wurden

mit einer Gummiwalze und Temperafarben auf Papier oder Karton gewalzt und evtl. mit einem feinen Pinsel korrigiert Hier auf Strom-

boli entstand die Gouache  ´Una Mulina´ (Eine Mühle).  Eine kleine Gummiwalze  und die wichtgsten Temperafarben  Schwarz, Weiß und Königsblau hatte er, eine Zeitung als Malgrund fand er.

 

Die Mühle.kaufte in den 60er Jahren ein Österreicher . Er umzäunte sie  und sogar mit Stacheldraht.  Was für ein Krasser Gegensatz

zu den vielen offen stehenden Häusern Strombolis!

Günter Wirth " Una Casa di Stromboli" Tempera auf Leinwand im Foyer der Industrie und Handelskammer Berlin

Als Günter Wirth auf dem Hof seines Häuserkomplex beschäftigt ist kommt ein Mann mit einem Rucksack auf dem Rücken, unschwer

als Deutscher zur erkennen.  Er versucht sich mit italienisch zu verständigen und ist erfreut  einen Deutschen getroffen zu haben. Der Mann war  ein Berliner HfBK Student  und hieß  Eberhardt Purrucker.  Er war ein gebürtiger Sachse,  wurde  1927 in Polenz  im Kreis Grimma geboren  und hatte  von 1948 bis 1950  bei H.E. Strüning  an der  Akademie für  Grafik und Buchkunst Leipzig studiert . 1951 ging er nach Berlin  und studierte  von 1952 bis 1957 an der HfBK . Was und bei wem, kann Günter Wirth nicht sagen, wahrscheinlich an der  Pädagogischen Abteilung in der Grunewaldstraße 2-5  in Berlin-Schöneberg.  Er hatte als Student  informelle Arbeiten gemalt, die  an Tàpies  erinnern,  sehr interessant  und  vielversprechend,  aber schwer verkäuflich. 1957 bekam er  einen Lehrautrag  an  der Menzel-Oberschule in Berlin-Tiergarten, ab 1961 bis 1976 an der Pägagogischen Hochschule in Berlin-Lankwitz. Seit 1983 arbeitet er freischaffend  und hat nach  Google  über 45 Einzelausstellunen in Berlin gemacht,   ist aber darüber  nicht hinaus gekommen. .Er hat sich in seiner Kunst  zu geschmäcklichen (Otterson nannte sie treffend so) Motiven wie Blumen und Schreberlauben zugewandt, sehr

elegant und gekonnt  als Akvarell hingekallt.  Diese Arbeiten finden keinen Eingang  in Museen und sind  für Wikipedia  nicht relevant.

 

ENDE (fertiggestellt am 14,8,2018)