Günter Wirth
Günter Wirth

1955: Notre-Dame de Paris***

Er wollte es Mme. Wacher gleichtun. Er hatte Pesch, es war nichts zu finden. Er erinnerte sich an  Georges Rouoult  (27.5.1871-13.2.

1958)  und Bernard Buffet  (12.6.1928-4.10.1999),  die beide ihre  Gegenstände,  Figuren,  Häuser mit schwarzen Rändern einfaßten.

Er ging an die Arbeit  und es entstandend  drei Drucke mit der Walze.  Bernard Buffet wurde  als Nachfolger  von Picasso angesehen. Aber Hans-Joachim Müller meinte, er wäre der schlechteste Maler der modernen Kunst und nur ein genialer Bilderlieferant. Peinlich!

Museen, die seine Bilder gekauft hatten, waren bestrebt, sie zu verstecken. Als seine Arbeiten in Massen in Warenhäusern auftauch-ten, löste sich auch Günter Wirth von ihm.

 

1962  war Günter Wirth in Paris und erkundete die Gegend hinter Sacre Coer, einem Arbeiterviertel. Hier nahm er sich ein kleines bei scheidenes Zimmer und wollte einige Bilder  auf  Papier von Hand drucken.  Er hatte nur Acrylfarben in Tuben und eine Gummiwalze 

sowie Linoleum mit. Es entstanden 3 Arbeiten "Beulevard de la Chapelle de Paris"  (Siehe Bild 28 unter Abstrakte Arbeiten - Bei Zeit- zeugen), "La Butte de Paris"  (Siehe Bild 29 unter Abstrakte Arbeiten - Bei Zeitzeugen) und "Hinter Sacre Coer"  (Siehe Bild 30 unter

Abstrakte Arbeiten - Bei Zeitzeugen). 

 

Henz Ohff  schreibt dazu  am 30.5.1992  im Blog "Am Anfang Montage,  am Ende Magie",  Wirth ist ein Kosmopolit  und spricht eine

allerorts verständliche Sprache.

 

Günter Wirth durchstreifte weiterhin Montmartre  und erinnerte sich an seinen Ausatz  über Notre-Dame. Das Bauwerk hatte man, so las er, ist 1163 zu Bauen begonnen und in den Jahren danach Stück für Stück erweitert und vervollkommnet. Die fünfschiffige Anlage des Inneren war zu schwierig und zu aufwendig für eine Bearbeitung. Die Westfassade mit den drei Portalen und den zwei helmlosen

Türmen mit den vielen Verzierungen und Figuren und die Rosette ebenfalls. Da kam ihm eine Französin zu Hilfe.  Er hatte sie auf der Kaimutter sitzen gesehen  und ließ ihre Beine  über der Seine baumeln.  Er setzte sich  zu ihr  und tat es  ihr gleich.  Das ging damals noch, die Autobahn entlang der Seine war noch nicht gebaut.

 

So saßen sie nebeneinander  auf der Mauer und sahen auf die Kathedrale hinüber.  Da deutete die Französin  auf die vielen Wasser-

speicher und Regenwasserabläufe  und machte ihn auf diese  aufmerksam  und da hatte er sein Thema. In Berlin schrieb er  weniger

über die Architektur  des Bauwekes,  sondern auf die Begegnung mit ihr.  Sie trafen sich noch oft  auf der Mauer  bis er wieder in sein Atelier in Neapel mußte.

 

Beim Herumschlendern vor Notre-Dame traf ei einen alten Bekanten wieder, den er ein Jahr zuvor auf dem Corso Umberto in Neapel 

kennen gelernt hatte  und der eine Bleibe suchte. Günter nahm ihn mit in sein Atelier.  Er war Berliner  und studierte am Berliner Kon- servatorium Pauke.  Daß das ein eigenes Studienfach war,  wußte Wirth bis dahin noch nicht. Er wohnte im Künstlerviertel von Berlin- Wilmersdorf und freundete sich mit dem Enkel Iwanno der Oma Esposito an. Zu Weihnachten schickte er ihm aus Berlin einen Stabil-

Baukasten. Nun traf man sich zufällig in Paris wieder. Wie klein doch die Welt ist!

Im Sommer 1955 fuhr Günter Wrth bevor er zu seinem Atelier in Neapel aufbrach wieder für eine Woche nach Paris.  er wollte dieses

Mal Umschau halten,  ob noch etwas von den Gruppen ´De Stijl´, ´Ojects Trouvée´, ´Ready Mades´ von der Mm. Wacher auzutreiben

war, mit denen er sich in der  Bibliothek der HfBK in Berlin beschäftigt hatte. 

 

In der Bauakademie mußte zu einem bekannten Bauwerk ein Aufsatz gemacht werden und Günter Wirth wählte dazu Notre-Dame de

Paris. Einer Französin hat er es zu verdanken, daß er die Arbeit mit einem ´gut´ abbschloß  und in seiner abschließenden Beurteilung als ´integrierte Persönlichkeit´ bezeichnet wurde. 

 

Er fuhr nach Paris  und nahm außer dem Reiesegepäck  nur Temperarben in Tuben , eine Gummiwalze und  eine Linoleumplatte zum Mischen und Farbeausrollen mit.  Er stieg im Arbeiterviertel  von Montmartre  hinter Sacre-Coer ab  und nahm  sich ein bescheidenes Zimmer.