Günter Wirth
Günter Wirth

1955: Bildender Künstler, Flandern***

1954: Günter ´chief ´ Wirth  (22)  als Gaststudent  im Hof  der Hochschule für Bildende Künste in der  Hardenbergstraße  zu Berlin

Günter Wirth  ging 1954 zum Volksbildungsamt Charlottenburg um sich als  Freischaffender Künstler anzumelden.  Der Kunstamtslei-

ter  Dr.von Kninski sah sich seine Mappe mit Arbeiten missmutig an. Plötzlich stutzte er  bei einem Foto  und sah sich in seinem Stuhl

sitzend um. Da hing hinter ihm  an der Wand das Original `A Mareciaro ce sta´na fenesta´, daß Wirth  in seinem Atelier in Neapel Ge-

malt hatte und bei einer  Verkaufsausstellung  der  Charlottemburger Verwaltung  im Rathaus ausgestellt hatte.  Der Senat kaufte das Bild an und Dr.von Kninski wählte es  für sein Dienstzimmer aus.  "Das sind sie?"  fragte er  und deutete auf das Bild.  Dann zückte er Paper und Füller,  unterschrieb das  Anerkennungsformular  und Günter Wirth war  anerkannter Freischaffender Künstler (Maler).  Da das Bild auf der Vorderseite  noch nicht signiert war  und lediglich auf der Rückseite nur seine Adresse in Neapel und der Preis in Lire

stand, bat er ihn das Bid nochmal mizunehmen und zu Hause das Versäumte nachzuholen.

 

Zu hause in Berlin kopierte er das Bild und brachte ihm das geliehene zurück.

 

Er trat dem  Berufsverband Bldender Künstler Westberlins bei  und wollte neben  seinem  Ingenieurstudium an der Bauakademie  ein Kunststudium an der Hochschule für Bildende Kunst in der Hardenberger Straße zu Berlin-Charlottenburg anfangen. Ein solches Stu-

dium konnte nur beginnen,  wer die  Aufnahme bestand  und 4 Semester Grundstudium  erfolgreich bendet hatte Dann konnte er sich bei einem Professor um Aufnahme in seine Meisterklasse bewerben. Das ging aber bei Günter Wirth nicht, da er  ja bereits registrier-ter Künstler war.

 

Günter Wirth  zeigte  seine Arbeiten dem  Aufnahmeleiter  Professor Hans Jaenisch  für Aufnahme zum  Grundstudium.  Der sah sich Wirth´s Arbeiten an  und erkannte in ihnen eine eigene Stilrichtung. Die würde bei der Arbeit in 4 Semester Grundausbildung verloren gehen  und er solle lieber nur ein  Gaststudium beginnen.  Das ging aber nicht  in einer Meisterklasse,  da ihm die 4 Semester Grund- ausbildung fehlen.  Somitt blieb ihm nur die Anmeldung  in der Klasse für Angewandte Kunst bei  Bergmann/Hölzmann.  In der Klasse malte man mit Leimfarben. Günter Wirth brachte das nichts Neues und nach 2maligem Besuch strich er die Segel. Beide Professoren

hatte er nie zu Gesicht bekommnen.  

 

Er  ging zu dem Professor,  der in Aktzeichnen unterrichtete.  Als Neuling und Anfänger  mußte er  die Frau  in der ihr  zugewiesenen Stellung  erst als Rechtecke und Quadrate skizzieren  und später dann  mit Körperformen ausmalen.  Außer den blutigen  Anfängern waren viele Ältere in der Runde,  die entweder ihr Können auffrischen wollten  oder sich in ihren Ateliers  kein Model leisten konnten.

Rechtecke und Quadrate skizzieren  und später dann mit Körperformen ausmalen.  Außer den blutigen Anfängern waren viele Ältere in der Runde,  die entweder ihr Können auffrischen wollten  oder sich in ihren Ateliers  kein Model leisten konnten.

 

Neben Günter Wirth stand  an ihrer Staffelei  ein junges Mädchen, auch eine Anfägerin.  Ihr fiel es ebenso schwer. Sie sahen sich an und beschlossen,  es zusammen zu versuchen und sich  gegenseitig zu zeichnen. Sie gingen in das nächste Hotel,  aber zum zeich-nen kamen sie nicht.

 

Günter Wirth  ging mit Freude zu den Vorlesungen von Will Grohmann in Kunstgeschichte.  Während man im großen Hörsaal auf ihn wartete hörte man, wie er bereits bei dem Hochkommen auf der breiten Treppe dozierte.

 

Eines Tages  hatte Günter Wirth mit dem Direktor der HfBK Karl Hofer  ein Zusammentreffen der besnderen Art. Zu einer Ausstellung der Absolventen der Grundausbildung nach dem 4. Semester hatte er das Bild " Villagio" (Siehe im Buch von David Rosenbaum) ein-

gereicht und es hing an der Wand. Als er wieder vorbeikam, stand es abgegangen auf dem Boden. Er lies es wieder auhängen. Nach

Minuten stand es wieder abgehanden ausf dem Boden. Das wiederholte sich noch zweimal.  Dann trafen sie sich auf der Treppe und Hofer sagte ihm,  daß er noch noch  nicht im  4. Semester sei  und noch nicht  ausstellen dürfe.  Da legte ihm Wirth  die Hand auf die Schulter und entgegnete, daß er nur Gaststudent und wie er Kollege im Berufsverbandes Bildender Künstler sei.

 

Im hinteren Gebäude der Akademie waren die Ateliers der Bildhauer und Keramiker. Im obersten Geschoß des Hautgebäudes waren

die Ateliers  der Architekten,  über die sich der Statiker Günter Wirth  immer lustig machte,  da sie viel mit Glas bauten,  ohne daß sie von Statik eine Ahnung hatten.

 

Im Atelier der Bildhauer  war er mit zwei Maler befreundet,  mit Peter Schmiedel  (24.9.1929 in Dresden - 9.5.1997 in Adnmont/Steier-mark) und  Peter Hübler.(1928 in Berlin)  geboren.Beide waren Maler und wuden bei Prof. Hans Uhlmann in dessen Bildhauer-Klasse

Meisterschüler.  Von beiden kaufte  Wirth  zahlreiche Bilder,  von Schmiedel farbige Fensterbilder,  von Hübler  informelle Federzeich- nungen mit Collagen-Einschlüssen. 

 

Er lernte ihren Professor kennen und beobachtete ihn bei seinen Besuchen im Atelier. Uhlmann hielt sich nie lange auf, zog meistens nicht einmal  seiinen Mantel aus.  Er sprach kein Wort,  sondern grestukulierte nur mit Gebärden. Seine  Schüler verstanden ihn auch

ohne Worte. 

 

Günter Wirth  stellte Schmiedel und Hübler 1964 und 1965 in seinen Räumen aus  und vermittelte sie auch nach  England und Italien.

Von 1971 bis 1973 erhielten beide an der HfBK Lehraufträge. Danach arbeitete Schmiedel für den Senat und mit beratenden Farbge-

staltungen und Hübler  wurde 1976  Dozent im Lette-Verein-Berlin.  Wie viele Künstler  der damaligen Zeit  wandten sie sich  ab 1978 den figürlichen Themen zu und und wurden für die Galerie Wirth Berlin uninteressant.

 

Zwei weitere Kommilitonen waren der Keramiker Peter Roters, damals 21 Jahre alt,  sowie  und ein Architekturstudent.  Peter Roters (Er wrde 1933 in Dresden geboren und zog 1951 zum Keramik-Studium bei Prof. Rudolf Rausch nach Berlin um)- Er war der jüngere Bruder des Direktors der Staatlichen Museen zu Berlin (15.2.1929 in Dresden - 31..1994 in Berlin).  Peter erklärte seine Arbeit so: Im Ungang mit Ton  komme ich in Kontakt mit den elementaren Kräften, lerne beim Bearbeiten meine eigene Kraft und des Tons kennen und steuern, erfahre die Gesetze und die Grenzen des Tons.

 

Beim Feten in Günter Wirth´s Atelier in der Krumme Straße mußten Peter (22) und der Herr Direktor Dr. Eberhard Roters (26) wie alle anderen Besucher auf den Knieen unter dem hinter der Zimmertür postierten schweren Schreibrisch hindurchkrabbeln.

 

Der Architektur-Student  war verheiratet  und wollte  in den Semesterferien  eine Reise  nach Gibraltar unternehmen.  Es sollte  durch

Belgien,  Flandern,  Frankreisch  und  Spanien gehen.  Als das Günter Wirth  auf einem Kunstmarkt  von ihnen Hörte,   bat er sie,  ihn mitzunehmen. Um mehr Reisegeld in die Kasse zu erhalten, willigten sie ein.

 

Die Fahrt durch Belgien und die alten Stadte war schon für Günter Wirth interessant genug und steigerte sich bis zur Begeisterung in Flandern. Überall an den Straßenrändern Bunker.  In Verdun  war die Festung  zu einem  Museum umgestaltet worden.  Das Zimmer des ehemaligen  Festungskommandanten  war nach vorhandenen Fotos  restauriert  und man hatte ihm  eine  dem  Kommandanten  nachgesteltte  Wachsfigur gegeben.  Komisch,  wenn man  durch ein Geschützrohr sah  oder  durch eine Schießscharte blickte,  sah man nur Bäume und Strauchwerk. Alles war zugewachsen und überwuchert.

 

Man erreichte die französich/spanische Grenze  und machte bei der ersten Gelegenheit   in einem Bistro Rast. Zu Günters Erstaunen waren  die Tische  nur  mit Zeitungspapier gedeckt,  keine Tischdecken  wie in  Deutschland.  Aber die Spagetti schmeckten  und der spanische Rotwein war köstlich. Danach  ging es  in glühender Hitze weiter und zu Viert in dem kleinen Wagen wurde es unerträglich warm.  Die Fahrgäste wurden mürrisch und gereitzt.  Das  Ehepaar stritt sich und man beschloß,  sich zu trennen.  Sie ließen Günter

aussteigen und versprachen, ihn bei der Rückfahrt aufzulesen und mitzunehmen.  Günter Wirth war nun erstmal in Katalonien gelan- det.

 

Günter Wirth machte sich auf die Socken  und ging in Richtung Meer.  Am Strand fand er  vier in den Sandboden gerammte Holzbal- 

ken mit darüber gespanntem Netz.  Das behelfsmäßige Bistro gehörte einem Katalanen.  Er fand auch eine Schlafmöglichkei für drei

Wochen, denn er müßte ja auf die ihn abholenden Rüchfahrer warten. Mit den Katalanen verständigte er sich auf neapolitanisch. Die Sprache war dem Katanischen sehr ähnlich, denn Neapel war jahrelang eine spanische Kolonie. Der Wirt wollte später nicht glauben

daß er ein Deutscher aus Berlin sei.

 

Am Morgen nach einem erfrischenden  Bad traf eine deutsche Familie mit Kindern ein. Der Ehemann war ein deutscher Unternehmer und hatte in Valenzia eine Fabrik gekauft, die verschieden Liköre herstellte. Günter freundete sich schnell mit der Familie an. Weil der

Boss der Firma jeden zweiten Tag nach Valenzia fahren mußte und den stellvertretenden Direktor und den Betrieb kontrollierte, nahm

er gern  Günter mit. In der Firma gab es wenigstens 20 veschiedene Liköre,  am besten schmeckte Günter Wirth der Anisette Liqueur,

den er noch heute im Restaurant  nach dem Essen bestellt.  Verstänigen  konnte sich Günter  in der Fima leider mit niemand, da man nur Catalán, die Catalansprache sprach.

 

Als sich  die nicht eingeplanten drei Wochen  dem Ende zuneigten  und es ihm nicht ganz sicher war,  auch wirklich  abgeholt zu wer-den borgte er sich  von ihm 300 Mark,  um eventuell nach Berlin  mit der Eisenbahn zurück zu fahren.  Günter Wirth hatte  bei diesem unerwarteten Zwischenaufenthalt Valenzia und die Catalanen kennen gelernt.

 

Einige Jahre später holte er die Fahrt nach Valenzia, Barcelona, Andalusien , Gibraltar und Tunesien fort.  Er wußte auch noch nichts

von einer Ausstellung  in einem  Museum  Barcelonas  und dem  Geschenk  von einem Liter  Anisette Liqueur,  dle ihm die  Direktorin des Museums nach Berlin schickte. 

 

ENDE  (Fertuggestellt am 5.1.2019).