Günter Wirth
Günter Wirth

1954: Ninetta***

Ninetta und Günter Wirth´s Vater Heinrich Wirth.

 

 

In Neapel  mit dem Zug von Rom aus angekommen,  suchte Günter Wirth  mit seinem unhandlichen und schwerem Gepäck,  den mit 

Sand, Leim und Gips  vorgrundierten Hartfaserpappen,  eine Jugenherberge.  Er fand sie.  Ein runder Turm  als Autoparkplatz.  Ganz oben auf dem Dach war sie. Man mußte ziemlich früh am Abend da sein, um noch Zutritt zu erhalten.

 

Am nächsten Tag  ging Günter Wirth  mit einem neuen Bekannten  im nun schon dunkel gewordenen Abend  vom Turm und Bahnhof

aus  in Richtung  einer erleuchtete Stadt.  Noch davor  war eine  Slumgegend  mit aneinander  gebauten Garagen  ohne  Fenster und Türen.  Die Garagentore standen zumeist offen  und davor tummelten sich  Männer, wenig Frauen, aber viele, viele Kinder. Wer nicht stand, hockte auf den Fersen seiner nackten Füße.

 

Vor einer der Garagen hockte eine Familie.  in Mann,  der in den beiden Touristen sah,  winkte ihnen zu, näher zu kommen.  Günters

Begleiter  bekam Schiss  und verdrückte sich. Günter Wirth  blieb stehen  und setzte sich  langsam  in Bewegung  auf die Gruppe  zu. Das hatten sie  wohl nicht  erwartet. Der ihnen  zugewunkene Mann  rief etwas  in die Garage himein. Eine Frau kam mit einem Stuhl heraus. Alle sahen Günter Wirth erwartungsvoll an. Er mußte sich setzen, aber das war schwierig, denn der Stuhl hatte nur noch drei Beine, das Sitzen war sehr wackelig und man mußte sein Gleichgewicht halten. Man versuchte durch viele Gebärden eine Verständi-gung zu finden. Und zum Ergötzen der Kinder  gelang es  mit Händen und Füßen.  Der Mann hieß  mit seinem Vornamen  Vincenzo,

war Stoffverkäufer in Stuttgart und machte Urlaub bei seiner Familie in Neapel, besser gesagt in Spaccanapoli. Günter Wirth sah sich unauffällig um. In der Garage sah er eine Anrichte, die wohl aus Stuttgart stammte, sonst nichts. Keinen Stuhl, keinen Tisch.

 

Vincenzo hatte 14 Kinder, von denen einige  bereits aus dem Haus waren. Unter den zurückgeblibenen Kindern war ein etwa 12-oder 13jähriges Mädchen  namens  Ninetta (Assundi), die anderen waren jünger. Vincenzo hatte  unter der Garagendecke  eine Zwischen- decke eingezogen,  auf der er  mit seiner Familie schlief. Assundi verliebte sich  auf der Stelle in Günter Wirth  mit seinem,  in Naapel ungewöhnlichem Haarschnitt und da der Name Günter für sie  als Neapolitanerin schwer auszusprechen ist, nannte sie ihn von da an ´Gio Gio`.   

 

Dann gab es etwas  zu Futtern.  Ein Teller Spagetti  mit Tomatensoße  und mit so komischen  schwarzen Kugeln  darin.  Die Spagetti kannte er und sie scheckten gut,  aber diese schwarzen Dinger?  Die umstehenden Kinder sahen Günters Skepsis, machten aber mit ihren Fäusten an den Wangen drehende Bewegungen, ein Zeichen für gutes Schmecken. Wir reiben uns stattdessen den Bauch.

 

Heute ißt Günter Wirth besonders gern schwarze Oliven, ob in Natur, gekocht oder geschmort.

 

Nach  dem Essen  zog sich Vincenzo  ein frisches Unterhemd an  und forderte Günter Wirth  zu einem Abendspaziergang auf.  Beide

kamen  an mehreren  Restaurants vorbei  und Vincenzo hatte  viele Männer zu begrüßen. Günter fühlte sich  wie ein  Vorzeigeobjekt. Als man Platz nahm um zu trinkken, gab es für ihn wieder etwas Neues zu entdecken, ein milchähnliches und eiskaltes Getränk, man nannte es Orzato, es war mit viel Wasser verdünnte Kokosnußmilch. Diese Getränk gab es in Neapel an allen Ständen der Stadt und für ihn eine ständige Labsaal und mit 5 Cent billig dazu.

  

Nach dem ersten Abend  führte Günters Weg von da an  täglich mit einem Spaziergang zu Vincenzo.  Einmal schon wegen der guten Spagetti,  die Günter Wirth´s  einziges Gericht des Tages war.  Nur am Donnerstag arbeitete er für die Corda Fratres  und hatte in der Menda der Universiät ein freies Essen. Zum anderen aber für seine Freundin Assundi. 

 

Als Günter Wirth  bei einem Spaziergang  Vincenzo Vorhaltunngen wegen des Essens machte sagte er nur  "quarttordici or quindici ? fa niente" (Vierzehn oder Fünfzehn ?  Das macht nichts).  Wenn Günter einmal mit Ninetta  einen kurzen Weg unternahm, so  mahnte ihn Vinzenzo stets  "aber nicht Bum-Bum machen!"

 

ENDE (Fertiggestellt am 29..1.2019). 

1954: Heinrich Wirth begrüßt Günter Wirth´s Freundin Ninetta, umringt von vielen Kindern.