Günter Wirth
Günter Wirth

1954: Nach Rom und Neapel

Gertrud Brinkmann brachte nach einer ereignisreichen Nacht, in der sie zur Frau wurde, Günter Wirth zum Bahnhof Hannover und zum Zug nach Rom.  Die Abteile waren voll von Soldaten die von ihren Garnisionen in Norditalien zu einem Urlaub in ihrer Heimat Süditalien wollten. In Günters Abteil waren nur fünf Soldaten und als er die Gepäcknetze sah kam ihm eine Idee. Alles Gepack runter und in den Mittelgang zwischen die beiden Sitzreihen gelegt. Dann kletterte er in ein Gepäcknetz und machte es sich darin bequem. Heute gibt es keine Netze mehr und auf Holz oder Plastik und mit für Gepäck abgeteilten Fächern ginge es nicht mehr. Ein zweiter Soldat tat es Günter gleich nach und begab sich in das andere Netz. Die anderen vier Soldaten konnten sich nun nebenander von einer zur anderen Sitzreihe und über das Gepäck legen und hatten es dann auch zum Schlafen bequem.                    

 

Die Fahrt von München nach Rom ist lang. Der Bahnhof Stazione di Termini ist ein Kopfbahnhof mit sehr langen Bahnsteigen. Um den richtigen Bahnsteig für den Zug nach Neapel zu erreichen, muß man erst den Bahnsteig, an dem man angekommen ist hinunter

bis zum Hauptgebäude laufen, dann den entlang und den richtigen Bahnsteig mit dem Zug nach Neapel  finden, und wieder den bis zum Zug laufen.

 

Die Soldaten hatten sich das einfacher gemacht. Sie waren aus dem Fenster gesprungen und über die Gleise gelaufen. Die Wagen . schienen voll zu sein. Aus den Türen und Fenstenr schauten überall Soldaten raus. Als sie nun Günter schaufend mit seinem un- handlichen und schweren Gepäck kommen sahen, winkten sie ihm zu und ließen ihn bei sich einsteigen. Der Wagen war leer!

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Dann stiegen noch zwei Mädels in seinem Abteil ein. Es waren wie sich herausstellte Studentinnen der HfBK Berlin, die nach Rom und weiter nach Neapel wollten, aber nicht um Sehenswürdigkeiten oder antike Überreste zu besichtigen, sondern um Schuhe mit hohen dünnen Absätzen zu kaufen, die in Mode gekommen und in Berlin sehr teuer waren. Außerdem waren sie scharf auf Etiket-ten, mit denen sie C&A Billigware zu Modeartikeln machen konnten. Alles dem Image zu Liebe wegen.. 

 

Nach drei Stunden erreichten sie Neapel. Die beiden Studentinnen kannten sich bereits aus und wußten der Weg zur Jugendher- berge und Günter Wirth folgte ihnen. Es war eine Behelfsjugendherberge, eine Baracke auf dem Dach eines Mehrgeschossigen turmartigen Parkhauses. Es wurde dunkel, Günter Wirth stellte sein Gepäck ab und verließ die Herberge und machte sich mit einem

mitreisenden jungen Mann auf dem Weg in die Stadt.

 

 

 

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