Günter Wirth
Günter Wirth

1954:  Kerstin***

1954: Chief (als Steinsetzer´Bürste´) mit Uw (HfBK Stabenau Schüler), Sonny (Arbeiter und Dixi Trompete Spielender),) und Cox (HfBK Stabenau Schüler) am Tresen der Kajüte

Eines Abend  betrat Günter Wirth die Kajüte und traf gleich hinter dem Zugang zum Tanzraum an der linken Seite eine großen langen

Tisch mit mehreren Mädchen.  Eine davon lud ihn in seiner Eigenschaft als Faktotum der Kajüte zu einer Party ein.  Auf ihr traf er  auf eine Blondine, mit der er tanzte und sich verabredete. Sie hieß Kerstin Sanders und wurde seine erste große Liebe. Sie war 18 Jahre

alt  und stand  kurz vor dem Abitur an der  Sophie Charlotte Oberschule,  einem Lyceum am Schustehruspark in Charlottenburg.  Der Bau hatte an seiner linken Ecke zum Park und der Straße hin einen kleinen Abau,  in welchem die wenigen Mädchen der Oberprima,  etwa 15 Schülerinnen, untergebracht waen.  Von der Straße aus  konnte man mit ihnen  an den offenen Fenstern kontakt aufnehmen. Günter holte sie dann am Schulausgang ab.

 

Kerstin  hatte auch  nach dem bestandene Examen  wenig Zeit,  weil sie  mit ihrer Mutter  zur Volkshochschule ging  um Spanisch zu lernen. Ihr Vater hatte  zu spanische Fimen  enge Beziehungen  und Mutter und Tochter trachteten danach  irgendwann dahin umzu- siedeln. Für Günter Wirth eine betrübliche Aussicht.  Er hatte sich aber in der Krumme Straße in einem Altbau ein Zimmer gegenüber

der Badeanstalt für 35,00 DM genommen.  Es war bis auf ein altes Sofa leer.  In der linken Ecke mit einem Fenster  zum Hof legte er den Fußboden mit 60x80 cm großen Hartfaserplatten aus  um ihn vor Farben zu schützen.  Darauf stellte er seine Staffelei.  Die Ver-

mieterin der Wohnung war eine alte Frau. Sie hatte noch ein zweites Zimmer mit zwei Fenstern mit Sicht auf die Krumme Straße und

die Badeanstalt für 50,00 DM  an zwei tschechische  Fremdarbeiter vermietet.  Was Günter nicht wußte  und erst später erfuhr,  hatte sein Vater um Sorge für seinen Sohn  sich mit der alten Dame in Verbindung gesetzt  und ihr seine Adresse gegeben,  damit  sie sich an ihn wenden kann, wenn mal etwas vorfallen sollte.

 

Kerstin und Günter verlebten viele schöne Stunden  in dem Zimmer  und auf dem Sofa.  Doch einmal,  als es zu heiß herging und sie sich hungrig auf ihn stürzen wollte,  er aber kurz vor einer Explosion stand,  mußte er sie zurückstoßen, um Schlimmes zu verhindern

Gbit es etwas Schllimmeres für eine Frau, als zurück gesto8en zu werden? 

 

Zu ihrer  Mutter hatte Kerstin ein sehr gutes Verhälnis und sie bot ihr an,  ein leerstehendes Bett in  Günters Zimmer  schaffen zu las-

sen. Günter Wirth lernte ihre Mutter kennen, als er sie  mit ihrer Tochter zum Spanisch-Unterricht  in der Volkshochschule  in Wilmers- dorf ging und er die beiden dorthin begleitete.                                                                                                                                                    

Als 1955  auf Einladung  von Heinrich Wirth  Lucio Amelio in  der Wohnhausruine  ein paar Tage nächtigte  und mit auf einer  Party in Günters Atelier war  und sich  mit Kerstin intensiev   auf spanisch unterhielt,  wurde Günter langsam  eifersüchtig.  Nach Ende der Zu-

sammenkunft  summte Günter auf der Treppe  das Lied von der ´Bella Bimba´ und Lucio bekam es in die falsche Kehle: "Nun sind wir seit zwei Jahen befreundet und Du hast  noch immer nicht mibekommen,  daß ich schwul bin !"  Günter hatte es mitbekomen, aber es

ihm völlig egal. Es ging ihm ja auch nichts an.

 

Günter Wirth  hat sich einige Tage später  wie ein kleiner dummer Junge benommen   und   Kerstin einen Brief zugesteckt,  in dem er

zweideutig von Abschied und von seiner großen Liebe zu ihr sprach.  Er hatte nicht daran gedacht, daß sie enen Schock  bekommen
könne.  Die Sache klärte sich dann bei einem Zusammentreffen in der Nähe ihres Wohnhauses auf,  sie waren weiterhin zusammen, aber es war nicht mehr so wie früher.

 

Die beiden Tschechischen Femdarbeiter,  die noch nach Kriegsende in Berlin weiter verblieben und arbeiteten zogen aus,   um in ihre Heimat  zurück zu kehren .Das Zimmer war frei geworden. Heinz Otterson, Grafikstudent bei Professpr Stabenau,  suchte ein Zimmer und war  interessiert.  Aber  das Zimmer   war mit 50 Mark  zu teuer für ihn  und er würde lieber  Günter´s kleinere  für 35 Mark haben wollen und so tauschten sie. Günter Wirth sah sich  nach einem Mitbewohner um  und fand  einen Architekturstudenten  der HfBK. So war die Miete  mit je 25 Mark für beide  in Ordnung. Sie teilten den großen Raum  durch eine Trennwand  in zwei Teile..  Den Teil  zur Straßenfront mit zwei Fenster  übernahm Günter als Atelier. Den vorderen Teil an der Zimmereingangstür nahm sein Zimmergenosse.

 

Sie befürchtete unangemedete  Besuche der 80jährigen  Wohnungsinhaberin  und schoben  den schweren Eichenschreibtisch  hinter

den  offenen Türrahmen,  sodaß  man  zum Betreten  des Raumes  erst unter dem Schreibtisch  hindurch mußte.  Selbst der  Direktor der Staatlichen Museen, Dr. Eberhard Roters mußte auf seinen Knieen da durch.

 

Einige Tage später  kam Kerstin  an einem   sonnigen Tag  zu ihm  in sein neues   größeres Atelier.zimmer.  Sie wollte  es nun endlich wissen und erleben.  Sie hielt sich  nicht  mit  Reden auf,  sondern kroch  durch den Schreibtisch  und  ging in sein  abgetrenntes Teil

und zog sich aus  und stand wie Gott sie  geschaffen hatte  im strahlendem  Sonnenschein  vor Günter.  Sie wollte es endlich wissen, es endlich erleben. Sie war gekommen,  bot sich ihm an  und  wollte von ihm  zu einer  Frau gemacht werden. 

 

Er war total perplex. In diesem Augenblick kam sein Mitbewohner  nach Hause und als er hörte, daß Günter Wirth  Besuch hatte  und Kerstin gekommen war,  ließ er sich nicht mehr aufhalten und stürzte nach vorne in das Atelier  um sie zu begrüßen.  Kerstin war total überrascht und schockiert.  Günter muß ins Koma gefallen sein und konnte sich später an nichts mehr erinnern. An ihr Anziehen nicht und auch nicht an ihr  Verlassen der Wohnung. Kerstin hat Günter  nie wieder besucht. Günter hat sie nie mehr wiedergesehen. Nicht einmal ein Foto von ihr hat er. Später hat er bei ihrer ehemaligen Schule und bei StayFriends nachgefoscht, alles war vergebens. Da-mals wurden keine Abiturientenfotos gemacht und das Inernet steckte noch in den Kinderschuhen. Wikipedia. und Stayfriends gab es

erst ab der späten in den 70er Jahren. 

 

Günter hatte  mehrere  ihrer Schulkameradinnen  kennen gelenrt.  Alle waren  nach bestandenem Examen auf der Suche  nach einer Ausbilung, zumeist bei der Behörde. Karin traf er in der Bundesallee und begleitete sie ein Stück.  Sie unterhielten sich. Sie sagte, sie

wolle nach der Ausbildung  anschließend in die Bundesrepublik wechseln. Von oder über Kerstin sprachen sie kein Wort.

 

Renate hatte  seit langem  einen Bekannten, einen Handwerker,  der sie verehrte  und ihr,  obwohl immer  von ihr abgewiesen,  nach-hstellte.  Sie hat  Günter Wirth  mehrmals  in seinem neuen Atelier besucht,  sich am Fenster  mit dem Rüchen an der Wand  auf den Boden gesetzt  und  ihm  bei seiner Arbeit  zugesehen.  Warum sie kam und und was sie wollte, hat er nie erfahren. Sie sprachen miteinander,aber nie von oder über Kerstin.

 

Irgenwann hat sie ihn dann doch geheiratet.  Sie bezogen eine  Neubauwohnung in der Nähe  der Post seines Kiezes. Günter  besuchte sie  dort einmal.  Er öffnete ihm mit umgebundener Küchenschürtze, Renate war nicht im Haus.

 

Das Kapitel Kerstin war und ist ein Traum geblieben.

 

ENDE  (abgeschlossen am 15.1.2019  FERTIG.***