Günter Wirth
Günter Wirth

1953:  Violet Collin***

1953: Violet Collin, die Ehefrau des norwegischen Attachées General Collin und Günter Wirth´s zweite Mutter.

Günter Wirth war Ende 1953  als Stammgast ´chief´ im Jazzkeller KAJÜTE  und setzte sich an einem Tisch,  an dem bereits  mehrere Personen saßen,  die er alle nicht kannte.  Links von ihm saß ein junger Mann und er unterhielt sich mit ihm.  Als eine Kellnerin vorbei kam  bestellte dieser  eine Flasche Coca Cola.  Sie brachte sie ihm und saget. "Ene Cola, 80 Pfennige",  blieb am Tische stehen  und wartete auf die Bezahlung. Der Gast neben ihm kramte mit der linken Hand in seinen Taschen und zog eien Notizblock mit einem Stift hervor  und begann  ebenfalls mit der linken Hand   darin  zu schreiben: Eine Cola, 80 Pfennige.  Da stieß ihn Günter an und sagte zu ihm: "Die Kellnerin wartet auf das Geld. Zahle erst und schreibe dann". Was dieser dann auch tat.

Günter Wirth  unterhielt sich weiter mit ihm  und wurde  von ihm zu seiner Partie am nächsten Tag eingeladen  und nannte ihm Straße und Hausnummer. Am nächsten Tag,  einem Samstag, fuhr Günter Wirth zum S-Bahnhof Witzleben und ging zu Fuß die paar Schritte

zur Heerstaße.  Aber er fand  die angegebene Hausnummer nicht,  obwohl er  zwei oder drei Mal an ihr vorbei lief.  Es war eine ange- strahle Villa  mit einem  Vorgarten  und einer Auffahrt.  Alle Fenster  waren erleuchtet  und  im Vorgarten  hing an einem  Fahnenmast eine  norwegische Flagge.  Was er  nicht wußte  und auch nur ahnen konnte,  der junge Mann, dedaß er ihm nicht  als ein  Ausländer 

aufgefallen war. .

Frederick  kam und öffnete die Tür.  Dann führte er ihn in das Haus  und stellte ´chief´ seinen auf der Couch sitzenden Eltern vor.  Sie hießen ihn willkommen. Im Verlauf des Abends fiel es Violet Collin auf, daß Günter Wirth ihrem Sohn öfters half  und ihm beistand. Er gefiel ihr und sie lud in den folgenden Tages des öfteren zum Abendessen ein.  Ihr Fahrer mußte dann  zu der Ruinenwohnung in der Charlottenburger Mindener Straße 22  fahren und ihn dort abholen .

                                                                                                 (Siehe auch Blog:  1953: Frederick  mit Familienfoto der Familie Collin! ).

Frau Collin  fand immer mehr Gefallen an ´chief  und bald wurde sie zu Günter Wirth eine zweite Mutter. Als er wegen eines schmerz- haften Abszess  ins Westendkrankenhaus  kam  und dort noch über zehn Tage   auf einen Reifeprozeß  für eine Operation  zu warten

hatte, besuchte sie ihn mit ihrem Fahrer jeden Tag. Der Fahrer mußte stets einen schweren Korb mit herrlichen Leckereien und jedes Mal  mit einer Rotweinflasche  Marke Patriarch  mitschleppen.  Günter lag damals 1953/1954 in einem Saal mit 18 Betten (!). Ein Zeit-

zeugnis für diese Nachkriegszeit. Seine Bettgenossen hatten alle etwas von den Besuchen von Frau Collin. . 

Herr Collin  war ein norwegischer General  und den Alliierten in Berlin als Attachée zugeteilt.  Er hatte eine Dienstwohnung  und einen Dienstwagen  mit britischer  CD-Nummer.  Es war ein  Humber New Imperial  mit Linkslenkung  und Glastrennscheibe  zwischen dem Fahrer und  den Insassen.  Auf den  vorderen Schutzblechen  hatte er zwei Ständer  mit den Flaggen  Norwegens und  Englands.  Da der General ein leidenschaftlicher Herrenfahrer war  und lieber  seinen amerikanischen Schlitten fuhr,  überließ den  Dienstwagen sei- ner Frau. Sie benutzte ihn kaum, alles mußte der Fahrer besorgen. So fuhr der Fahrer meistens nur für Günter Wirth und Frederick.

Eines Tages  wollten  Frederick und Günter  nach Ostberlin.  Als sie beim  Überqueren  des Kurfürstendamm waren,  ärgerte sich   ihr Fahrer über ein offenes amerikanisches Cabriolet, das ihn mehrfach überholte und behinderte. Als es ihm zu dumm wurde,  überholte

er es und stellte sich  vor dem Marmorhaus quer vor ihn. Der Wagen stoppte,  eine Mene Passanten kamen herbei,  die Polizei wurde gerufen. Ein Polizist verlangte den Ausweis des Cabriofahrers. "ja kennen Sie mich denn nicht ?" entgegnete dieser. Da rief eine sehr junge Frau  unter den Herumstehenden "das ist ja Biederstaedt, der Schnulzenheini ! ". Es war Claus Biederstaedt.  Er war damals im Jahr 1954 noch jung und 26 Jahre allt, sein Cabrio hatte das Nummernschild mit den Anfangsbuchstaben   M - CB. Da in den Fall ein Diplomatenwagen verwickelt war,  rief der Polizist  die Britische Militärpolizei hinzu  und übergab denen den Fall.   Der Diplomatenwa- gen durfte  seine Fahrt fortsetzen. 

Eines Tages,  wärend  Günter Wirth  in seinem Atelier  in Neapel war,  verstarb Violet.  Der General wollte es  Günter Wirth persönlich mitteilen  und der Fahrer fuhr ihn  zu der Ruinenwohnung. Er traf aber nur Heinrich Wirth an  und hörte von ihm,  daß Günter seit zwei Wochen in Neapel sei,  seine Frau und er  beuruhigt seien  und sie  nach Neapel fahren wollten,  um ihn zurück zu holen.  Die beiden Offiziere  verstanden sich  auf Anhieb  und so bat der  General Collin  Heinrich Wirth,  Frederrick mitzunehmen.  Er als vielbeschäftig- ter Diplomat konnte mit seinem nun mutterlosen Sohn nichts anfangen, er stand ihm immer im Wege.

Die Eltern Günter Wirth´s taten es und nahmen Frederick mit.  Auf der Zugfahrt von München nach Rom durch die Gebirgslandschaft

Österreichs und Tirols blickte seine Mutter durch das Zugfenster  und erfreute sich über die Berge und Landschaft. Sie machte öfters

Frederick auf etwas aufmerksam, doch der zeigte kein Interesse und las unbewegt in einem Comic. Später beschwerte sie sich darü-

ber  bei Günter  und wollte es bei ihrer  Weltfremdheit nicht begreifen,  daß Frederick als Sohn eines Attachées  in Südamerka schon

ganz andere Berge kennen gelernt hatte.

Sie fuhren zu Dritt weiter von Rom nach Neapel, besuchten Günter und dessen kleine Freundin Ninetta,  weitere seiner Freunde  und Freundschaften von ihm,  besichtigten einige Tage Neapel und Umgebung  und fuhren nach einer Woche zu einem Badeurlaub  nach Rimini.  Ein kurzer  Abstecher  nach San Marino  und danach  zurück nach Berlin. Sie lieferten  Frederick  zu Hause ab.  Der General Collin wurde als Diplomat versetzt und Frederick auf einem norwegischen Schiff  als Heitzer angeheuert. Günter hat ihn nie wiederge-

sehen, alle Verbindungen sind abgerissen und Günter hat nie erfahren, wo Violet beerdigt wurde,  ob in Berin oder in ihrer Heimat.

 

ENDE  (Beendet am 18.1o.2008).