Günter Wirth
Günter Wirth

1953: Sorbonne***

In diesem Jahr war Günter Wirth wäkrend der Sommerferien.zum ersten Mal in Paris.  Es war ein sowjetischer Zug, der von Moskau aus über Warschau nach Paris fuhr. Die Gänge waren mit Teppischen ausgelegt, die Fenster hatten schwere Vorhänge. In Warschau stiegen viele Polen hinzu,  mit Flaschen voller polnischen Wodkas. Die Polen hatten wie bekannt war, eine besondere Liebe zu Paris.

Bald ging es hoch her und, der Wodka kreiste von Abteil zu Abteil. Alle Männer sangen gemeinsame Lieder, es war vollkommen egal. welche. Nazilieder wechselnten mit der Internatiolale, Spanische Bürgerkriegslieder mit zeitgenössischen Liedern.               

 

Paris ist eine Wucht!  Unter allen Großstädten Europas ist sie die Metropole von Europa, majestätisch und liebenswert zugleich . Man kann sie mit keiner  anderen Stadt vergleichen.  Es gibt in Paris nichts, was es nicht gibt,  von dem jüdischen Teil angefangen   bis zu den französischen Palästen und Schlössern, von den hundert Sorten Affen bis zu Großtieren, den Elefanten.

 

Während die Potentaten andererer Städte für den Bau ihres eigenen Quartiers den ihres Vorgängers  arbrissen und  an dessen Stelle ihr neues bauten,  ließen sie in  Paris  alles so stehen  wie es war  und bauten oft  dicht  daneben  ihr eigenes auf.  Und so  kommt es dazu, daß man heute  einen Spaziergang von einem Viertel  in das nächste machen kann  und damit einen Gang  durch die verschie- denen Jahrhunderte. 

Mächtig  sind die zahlreichen  und überall  verlaufenden Boulevards. und imposant  die sie begleitenden Bauten.  Von Weitem schon  überragt  der Triumpfbogen  mit dem Grab  des unbekannten Soldaten  die Häuser.  Er ist so groß,  daß man  ein fünfstöckiges Haus unter ihn stellen könnte. Der Arc de Triomphe steht mitten auf dem Place Charles de Gaulle, wo auße  der  Avenue Champs Elysées noch elf weitere Avenuen münden.

 

Günter Wirth war in den folgenden Jahren in den Sommerferien jedes Jahr in Paris und hat anfangs stehts in einem anderen Stadtteil

in Hotels  oder Privatunterkünften gewohnt.. Zu Mittag suchte er stets die Mensa in der Sorbonne auf.  An den fürchterlichen Gestank nach Knoblauch auf der Treppe hatte er sich bald gewöhnt. Das  billigste Gericht waren wie in Neapel Spagettis.

 

Am Anfang der Treppe  war ein Stand der  JEF,  der Jeunesse Federaliste Européenn,  der internationalen Bewegung  der Studenten, damals ausgehend von Gent.  Günter Wirth  trat umgehend der Vereinigung bei   und bekam die Mitgliedsnummer 50. Seitdem hat er sich in der  europäischen Bewegung engagiert.  Die Fahne war ein  Weißes E auf Grünem Grund  und sah aus  wie eine lange wei8e männliche Unterhose auf einem grünen Rasen. Schlagbäume hat Günter Wirth nicht eingerissen.  Der schärfste Gegner der JEF war

der Separatist Konrad Adenauer. 

 

1953 wollte Günter Wirth in Paris die  Ècole de Paris studieren  und sah sich nach Ateliers von Pablo Picasso, Georges Brague, Juan Gris, Henri Matisse, Georges Rousoult und anderen um. Viele Ateliers waren noch zugänglich und konnten besichtigt werden. Es war nicht leicht, aber man fand sie im Quartier Latin und um den Place du Tertre herum. 

 

Letzterer wollte sich  selbständig machen  und rief den Platz  und seine Umgebung  als Autonomen Staat im Staat aus.  Außer dieser Absonderlichkeit  hatte Paris der damaligen Zeit  noch weitere  für Günter Wirth zu bieten. Auf den Boulevards gab es zum Entrichten der Notfurft  nicht wie in Berlin die bekannten Kaffe Achteck  bzw. Pinkelbuden, sondern ein zwischen  zwei in das Pflaster geschage- ne Eisenstangen wurde in Hüfthöhe ein Blech mit Pinkelrinne befestigt.  Man konnte sich beim Urinireren also mit seinem Gesprächs- partner auf der anderen Seite weiter unterhalten.

 

Die Busse  furen von der einen Seite  der Seine, der Rive Gouche  über die  Isle de la Cité  zur anderene  Seite,  der Rive Droite, hin-über  und hatten hinten einen offenen Perron, darauf stehend  war man dem Verkehr sehr Nahe  und den einsteigenden Passagieren stand man in Augenhöhe gegenüber. Mit einem Bus zu fahren, war immer ein Erlebnis. 

 

ENDE (Beendet 31.12.2018)***