Günter Wirth
Günter Wirth

1953: Helga Kulicke***

1953: Helga kommt mit Frühstück im Arm zurück.

Der Fahrer des englischen Diplomaten-Humber holte Günter Wirth auf Veranlassung von Frau Collin  Günter Wirth immer ab,  ob von der Hochschule, von der elterlichen Ruinenwohnung oder von wo auch immer. Günter Wirth wurde in der ersten Vorlesung an der PH

vom Professor gebeten,  sich beim Direktor  der Berufsschule  für das Baugewerbe  in der Ellerbecker Straße  in  Gesungbrunnen  zu melden,  der dringend eine Lehrkraft  für eine Steinsetzerklasse suchte.  Günter Wirth meldete sich bei ihm und wurde  umgehend als

Lehrer eingestellt.  Er solle die Klasse übernehmen, die immer Donnerstags Schulunterricht hatte. Er hatte also einen Job  und erhielt monatlich ein Gehalt.  Der Unterricht ging für viermal 90 Minuten in Mathematik, Deutsch, Gesellschaftskunde und Steinsetzerwissen.

Wenn Schulschluß war, fuhr er mit der S-Bahn von Gesundbrunnen bis Greifswalder Straße in der Nähe zur Stalinallee zu seiner dort wohnenden Freundin Helga Kulicke.  Sie war nicht verheiratet und hatte eine dreijährige Tochter mit einem Augenfehler,  sie schielte. Aber eine Operation war für Helga unmögjich. Weil sie arbiten gehen mußte,  wohnte die kleime bei.ihrer Großmutter ein paar Häuser weiter. 

 

Das Haus in dem Helga wohinte,  war ein altes vierstöckiges Wohnhaus . Es hatte  nur Einzimmerwohnungen mit Küche. DieToiletten waren ein halbes Stockwerk tiefer und wurde von zwei Parteien benutzt. Helga arbeitete  im Kabelwerk  und mußte sich nach Arbeits-

schluß  zuhause mit Häkeln  von Einkaufsnetzen   ein Zubrot verdienen.  Wenn Günter Wirth  nach Schulschluß zu ihr kam,  mußte er oft dabei sitzen und ihr zuschauen, da es um Terminaufträge ging.

 

Wenn der Fahrer des privat von Violet und Frederick benutzten Diplomaten-Huber mit norwegischem und britischem Flaggenständer 

Günter Wirh und Helga  von deren Wohnung abholte,  hielt er immer  gegenüber ihrem Haus  auf der anderen Straßenseite. Das gab bei bei Anwohnern und Passanten zumeist kleine Aufläufe von Zuschauern.  Die Stasi wurde natürlich aufmerksam. Helga fühlte sich beobachtet durch einen Herrn, der andauernd gegenüber ihrem Haus stand und hin und wieder zu  ihrem  Fenster herauf blickte.

 

An einem  Donnerstag Nachmittag,  als Günter Wirth  zu ihr wollte,  stand er  vor ihrer  verschlossenen Wohnungstür. Helga war nicht zuhause. Ihre Nachbarin sagte ihm, sie hätte Helga seit drei Tagen nicht mehr gesehen und argwöhnte, sie hätte sich wohl nach dem Westen gemacht. Das war für Günter Wirth aber unsinnig, denn das hätte sie mit ihm und dem Diplomatenwagen leichter gehabt.

 

So machte er sich auf den Weg zu den Kabelwerken, ob Helga zur Arbeit gekommen sei.  Nach dem wieso und warum des Pförtners

mußte  Günter Wirth  in einem Nebenraum warten.  Es erschienen zwei Herren  und fragten ebenso  nach dem wieso und warum. Es war Günter klar,  daß er die Stasi  vor sich hatte.  Er sagte ihnen,  daß Helga  überaus hübsch  und attraktiv  sei  aber darüber hinaus strohdum wäre und bei der kleinsten Lüge puterrot werden würde. Als eventuelle Agentin wäre sie völlig ungeeignet. Die beiden Män- ner sahen sich an.  Das hatten sie wohl schon selbst herausgefunden.  Sie beruhigten Günter Wirth und ließen ihn gehen. Am nächs- ten Tag war Helga wieder zuhause und schwieg nach allen Fragen. Man hatte ihr einen unsichtbaren Maulkorb verabreicht.
 

Als der Fahrer Helga und Günter in Ostberlin abholte  und über die Grenze nach Westberlin fuhr, standen die Volkspolizisten stramm und salutierten. Es war wie immer. 

 

Als wir dann den Kurfürstendamm  hinunter fuhren  ärgerte sich unser Fahrerer  über ein offenes amerikanisches Cabrio,  das seinen Humber dauernd überholte und schnitt, daß er vollgas gab, ihn überholte und sich quer vor ihn stellte.  Es war vor dem Marmorpalast und es gab einen Zuschauerauflauf. Die Polizei kam und verlangte von dem Cabriofahrer den Führerschein. Da brüllte der Mann: "Ja kennen Sie mich denn nicht?"   Eine junge Zuchauerein rief:  "Das ist ja Claus Biederstaedt,  der Schnulzenheini!":   Biederstardt  war damals 25 Jahre alt und fuhr seinen Wagen mit dem Nummernschild "M - CB .....".

 

Für die Deutsche Polizei war die Sache damit erledigt. Sie rief die englische Militärpolizei herbei.  Unserem Fahrer ging das alles gar-

nichts an und er setzte mit Helga, Frederick und Günter seine Fahrt fort. 

 

Als es beim Fleischer mal ausreichend Fleisch gab, schlug Helga zu und machte füf ihn fünf große Fleischrouladen, sein Lieblingsge- richt. Ebenfalls war sie Zuständig für die  Versorgung seiner AGFA-Filmkassetten.  

 

Wenig später kamen die Großen Ferien und Günter Wirth (21) fuhr nach Neapel.  Als er nach 3 Monaten zurück nach Berlin kam und sich bei Helga meldet,  hatte sie  einen neuen Freund    Die Zeit mit ihr  war vorbei,  aber nicht,  bevor er  nach einem viertel Jahr der Abstinenz  ausreichend Abschied  von ihr nahm.

 

ENDE  (Verbessert und fertig gestellt am 25.2.2019.)***