Günter Wirth
Günter Wirth

1951: Badewanne, Weltjugend

Günter Wirth entdeckte in der Nürnberger Straße im Haus der Femina im Keller das Jazzlokal  BADEWANNE, das bereis weltbekannt geworden war und wo sich bereits große und bekannte Jazzgrößen vorgestellt hatten. Dort spielte das Rediske-Quartet mit Jo Glaser am Schlagzeug. Er wurde extra genannt, weil das Quartet keinen hatte. Jetzt wurde die Badewanne mein Stammlokal. Zu der Zeit  kam der Boogie Woogie auf. Jimmi Jimson, der farbig aussah, aber ein biederer Deutscher war, war der beste Tänzer.

Er tanzte den Boogie aber nicht akrobatisch wie er später getanzt wurde, sondern eher ruhig und gelassen mit einem Hauch von Schauspielerei. Z.B. Brachen er oder seine Partnerin unvermittelt zusammen, wurde aufgenomen, hoch geschleudert, und man tanze ruhig im Boogie-Rythmus weiter. Ich versuchte es ebenso und es gelang mir bald ein Zweiter zu werden. Jo Glaser schenkte mir ein Porträtfoto mit der Widmung "Stay cool, chief". Als der Krieg vorbei war, ging mein älterer Schulkamerad Lutz König als Hiwi zu den Amerikanern. Er bekam eine schwarz gefärbte amerikanische Uniform, wurde kaserniert und fuhr wärend der Blokadezeit auf dem Tempelhofer Feld mit einem Jeep bis er eine Dakota rammte und entlassen wurde. Er wurde in seiner schwarzen Uniform Günter Wirth´s ständiger Begleiter in der Badewanne.

 

Am 5.August 1951 wurden in Berlin, in der DDR, die Weltfestspiele der Jugend und Studenten abgehalten, von den Westmächten sabotiert. Die US-Behörden hinderten Sänger, Schauspieler und sogar den Bürgerrechtler Paul Robeson an der Reise nach Ost-Berlin. Lutz König (21) und Günter Wirth (19) waren von Anfang an dabei. Sie besuchten viele der Veranstaltungen. Mangels eines

Anzuges hatte Günter Wirth die belgische Militäruniform ohne Rangabzeichen an, die sein Vater ihm aus dem Frankreich-Feldzug  mitgebracht hatte. Nun, Lutz in Schwarzer Ammiuniform und Günter in Belgischer wurden ständig als Ausländer angesehen und mußten unzählige Autogramme geben. Sie wurden von den Veranstalltern freudig begrüßt, man zeigte ihnen zuvorkommend alles und auf dem Rasen und den Bänken in den Anlagen fand eine große Verbrüderung statt. 

 

Der Westberliner Bürgermeistrer Ernst Reuter lädt die Jugendlichen nach Westberllin ein, für die Ausländer interessant, aber für die Ostdeutschen ja wohl nicht, da sie durch das Westversehen gennügend Information hatten. Sie bekamen aber nun die Möglichkeit, die ihnen aus dem Fernsehen bekannten Örtlichkeiten, wie Jazzkneipem und Stadtteile selbst zu sehen.

 

Das verärgerte natürlich die DDR und sie schlugen zurück. Die FDJ drehte den Spieß um und marschierte mit 10.000 Mitgiedern in Kolonnen in den Westteil der Stadt. Das gab natürlich Ärger mit der Polizei und den Westberlinern. Noch während der Weltfestspiele starb Walter Ulbricht und das Walter-Ulbricht- Stadium und der nahegelegenen U-Bahnhof wurden in "Stadium der Weltjugend" umbenannt.

 

Zu den Weltfestspielen war es in der Badewanne brechend voll. Zu den Amerikaner in Kaki gesellten sich die FDJ´ler in Blau. Es dauerte nicht lange und sie fingen an, ihre Unifornhemden miteinander zu tauschen.

 

Lutz und Günter genossen alles und fühlten sich wohl dabei.

 

ENDE  (Fertig über holt am 25.1.2019).***