Günter Wirth
Günter Wirth

1949: Kajüte

Günter Wirth beschaftigte sich 1949 mit der Lektüre über New Orleands und deren Musikerszene und legte sich nach und nach eine 

Jazz-Plattensammlung zu. 1951 suchte er ein Lokal, wo er sich mit seinen Jazzfreunden treffen konnte, um mit ihnen Schallplatten hören zu können. Nach langem Suchen fand er im Berliner Ortsteil Schöneberg hiner dem Schöneberger Rathaus in der Freiherr-vom-Stein-Straße eine ausgebrannte Mietskaserne, wo im Keller die Gaststätte  nur das in Flammen  stehende Gebäude überlebt hatte. Er einigte sich mit dem Wirt über eine monatliche Zusammenkuft der Jazzfreunde. Nach einigen Wochen betrat ein Herr die Gaststätte, er hieß Hans-Wolf Schneider, kurz H.W. Schneider, und studierte an der Akademie Leipzig. Nebenbei hatte er mit Jazz-

Freunden eine Band gegründet, die Dixieland spielten. Nun wollte er mit der Band nach Berlin übersiedeln und norwegischensuchte eine geeignete GaststätteBeide. . Da wir Plattensammler nur wenige waren, erfreute das den Wirt und Günter. Beide wurden sich mit Schneider einig. Hans-Wolf Schneider trennte sich von seiner Frau, die nach Westdeutschland ging. Für ihn war nun der Weg frei und er konnte sich ganz seiner Musik zuwenden. Er wechselte zur Posaune über. Die Kajüte hatte nun sogar Lifemusik und bekam nun mehr und mehr Zulauf und wurde als Jazzlokal Kajüte eine Konkurenz zur Badewanne in der Nürnberger Straße. Besonders die Studenten der HfBK und der Ingenieurakademie kannten Günter Wirth als ´chief´ und bald so auch alle Besucher der Kajüte. Günter Wirth war ein Urgestein und wurde zum Faktotum der Kajüte. Hier lernte er auch Frederick kennen, den Sohn des norwegischen Attachès Collin. (siehe Zeitzeugnis Frederick!)

 

Die Spree-City-Stompers  machten am Wochenende immer ein Tombola,  wobei eine Jazzplatte abgespielt wurde und die Gäste den

Vornamen des Bandleaders  raten mußten.  In der Folge  räumte ´chief´ alle Platten ab.  Aber einmal  wurde eine New Orleans Platte der Creole Jazz Band gespielt und es wurde King als Vornahme von Oliver genannt. Der Gewinner war ein anderer. Günter potestiert

und nennt als Vornahmen Soseph Natan. Die Musiker berieten und es stellte sic heraus, daß ´chief´ Recht hat

Günter Wirth protestierte und nannte Joseph Natan als Vornahmen. Er hatte Recht, denn King war nur sein Spitznahme. Auch diese Platte hatte ´chief´ gewonnen.

 

Eines Abend  betrat Günter Wirth die Kajüte und traf gleich hinter den Zugang zum Tanzraum an der linken Seite eine großen langen

Tisch mit mehreren Mädchen.  Eine davon lud ihn in seiner Eigenschaft als Faktotum der Kajüte zu einer Party ein.  Auf ihr traf er auf

eine Blondine, mit der er tanzte und sich verabredete. Sie hieß Kerstin Sanders und wurde seine erste große Liebe.  (siehe Zeitzeug- nis Kerstin!) 

 

Der Wirt  stellte 1954  zu seiner Unterstützung  einen  ehemaligen Polizisten  als Geschätsführer ein,  der sich nach  Baupolizeilicher

 

Schließung der Kajüte selbständig machte und selbst eine Jazz-Gaststätte in Schöneberg unter dem Nahmen Eierschale eröffnete. Günter Wirth war nur ein einziges Mal da. Das Milieu gefiel ihm ganz und garnicht. Aber es sollte dennoch für ihn ein Erfolg werden, denn er lernte dort Uta Bischoff kennen und bekam durch sie Zugang zum Majakowski Ring (sie dort!).

 

ENDE