Günter Wirth
Günter Wirth

1949: Chief 

Mit 17 Jahren war Günter Wirth öfters Tanzen gegangen, zum Zoo, Delfi, Augustiner, und auch ins STUDIO 22. Das Studio war ein großes Tanzlokal an einer Straßenecke in der Nähe des Stuttfgarter Patzes und dem Gerichtsgebäude. Es wurde zu 90 % von weißen und farbigen Amerikanischen Soldaten besucht. Der Rest waren einige wenige Engländer und Deutsche. Franzosen trauten sich mit Ihren 18 Jahren kaum rein, waren nur zur Ausbidung in Berlin stationiert und hatten sehr wenig Sold. Russen gingen nie allein, sondern immer nur in Scharen, hatten auch kein Interesse am Jazz, Geld auch nicht.

 

Eines Abends stand er mit einem Schwarzen GI vor der Eingangstür und sie unterhielten sich. Er kam aus New Orleans, und das interessierte Günter Wirth besonders. Er hatte als Jazzfreund viele Bücher über diese Stradt, ihre Straßen, Lokale und Jazzmusiker gelesen. Der Soldat wunderte sich und wollte nicht glauben, daß er zu dieser Zeit noch nie in New Orleans gewesen war und nur aus Büchern sein Wissen und seine Vertrautheit mit dieser Stadt hatte. Am Ende des Abends fuhren sie mit Deutschen und Amerikanern mit der S-Bahn nach Hause. An der offenen S-Bahntür ließ er ihm mit den Worten  "Go on chief" den Vortritt. Als das seine deutschen

Freunde hörten dachten sie, es wäre sein Spitznahme. Die Jazzreunde der Badewanne und der Kajüte hatten alle einen und der Familiennamen interessierte keinen. Sonnny, Uw, und Cux und nun Günter Wirth als chief. Und diesen behielt er bis zum Studium und Diplom an der Ingenieurschule und an der PH bei. Sogar eine eigene Syntax hatte Wirth entwckelt. Er schrieb alles außer den Satzanfang mit kleinen Buchstaben, schrieb z.B. Querschnitt mit ´kv´ wie man spricht. Alle 20 DIN A2 -  Arbeiten unterzeichnete er mit Günter ´chief´ Wirth. Der Dozent für Hochbau des ersten Semesters beschwerte sich beim Professor für Deutsch und ließ sich belehren: Wir haben in Deuschland kein Dictionary, der Duden ist ein reines Privatunternehmen. ´chief´ ist eine differenzierte Persöhnlichkeit und kann schreiben wie er will.

 

Eines Tages mußte der S-Bahnzug am Bahhof Junfernheide scharf bremsen. Ein sowjetischer Soldat hatte sich vor den Triebwagen geworfen. Ein mitfahrender englischer Arzt in zivieler Kleidung sprang hinunter und rief nach einem Messer oder Schere. Eine junge Frau reichte ihm eine Nagelschere und mit dieser amputierte der Arzt dem Russen ein Bein. Er hatte sich das Leben nehmen wollen, denn in der sowetischen Armee bestand auf Syphilis die Todesstrafe. 

 

ENDE