Günter Wirth
Günter Wirth

1948:  Uschi und ihr Goggo

1948;  Uschi und ihr Goggo

Mit Papier und einigen Schulbüchern kamen nun auch einige neue Lehrer. Günter Wirths Mathe-Lehrer Hintze, ein Astmatiker der bei jedem Sprachansatz tief Luft einschlürfte, "Schlürf, Selke komm an die Tafel. Wie dreht sich die Erde um die Kugel?"  Gelächter der Schüler. Die Jungs hatten in Mathematik sphärische Germetrie, die Trigometrie der Kugeloberfläche, in diesen Fall also der Erde. Das machte Günter Wirth besonderen Spaß. "Welche Länge und Winkel wirft der Schatten eines in Rom stehenden Obelisken am soundsoivielten?" dazu wurden die Koordinalen, Datum und Urzeit  angegeben. Wirth hatte bei Ali auf alle seine Arbeiten immer eine EINS.

Und dann kam Uschi, eine neue Erdkunde Lehrerin, frísch mit 21 aus der PH Abteilung 1 Grundschulpädagogik. Sie war 2 Jahre jünger als der älteste der Schüler, ein Spätheimkehrer. Einige der Klassenkameraden,  auch Günter Wirth, kannten sie bereits aus dem britischen Quäkerclub, wo sie oft bis in die Nacht hinein feteten und dann miteinander auf dem Fußboden schliefen. Der Quäkerclub befand sich in Nähe des Naafi-Hauses mit dem Naafi-Club und einem großen PX-Laden im Erdgeschoß. Für Deutsche war er nicht zugämglich. Sein Freund Frederick  der Sohn des norwegischen Attachés General Collin ging oft hinein, Günter Wirth  als Deutschen durfte  er aber nicht mitnehmen. Das Naafi-Haus war und steht heute noch in zivieler Mission am gleichen Ort am Reichskanzlerplatz, dem heutigen Theodor-Heuss-Platz, dem ´Theo´. Er wurde 1908 fertig gestellt und hieß seit dem  21.April 1933 Adolf-Hitler-Platz, bekam aber am 31. Juli 1947  seinen ursprünglichen Namen  Reichskanzlerplatz  zurück.  Sechs Tage nach dem Tod von Theodor Heuss, dem ersten deutschen Bundespräsidenten, erhielt der Platz  am 18. Dezember 1963  seinen heutigen Name. Theodor-Heuss-Platz. Im Vokmund ist er als ´Theo´ bekannt.

Uschi wurde mit Hallo begrüßt. Die jenigen, die Uschi von den Quäkern her kannten, duzten sie weiter. Uschi, Ursula Bartsch  wurde aber von der Klasse nicht voll anerkannt.  Sie saß nie  hinter Ihrem Schreibtisch,  sondern stand angespannt vor ihm  und lehnte sich  an ihn. Sie trug bunte Kniestrümpfe,  die mit Ihrem unteren Rocksaum abschlossen. Die Schüler rätselten nun, ob sie unter den Kniestrümpfen noch eine Strumpfhose trug  und wetteten um einen Kasten Bier.  Und so baten sie vor dem Lehrerzimmer ihren Klassenlehrer  Dr.Friese, sie danach zu fragen. Er tat es und kam wieder raus und sagte "sie hat". Der Fall war gelöst, das Bier hat geschmeckt.

Uschi fuhr ein Goggomobil, im Voksmund ´Goggo´ genannt. Das war ein Kleinstwagen, ein sogenanntes Rollermobil, gefertigt von der Hans Glas GmbH in Dingolfing, der von 1955 bis 1969 in verschiedenen Versionen gebaut wurde und ca.4,800 kg wog. Den Wa-

gen schnappten sich vier Klassenkameraden, trugen ihn die Treppe hoch inden ersten Stock und stellten ihn vor das Lehrerzimmer.

Dr.Friese  bat die Jungs ihn wieder auf die Straße zu stellen.

Als Günter Wirth sein Staatsexamen an der PH, der Pädagogischen Hochschule in Lankwitz machte, traf er Dr.Friese. Er war jetzt dort Professor für Geschichte geworden und hatte Uschi geheiratet.

 

 

 

ENDE