Günter Wirth
Günter Wirth

1947: Tauroggener Straße 40***

In der Mindener Straße 22 war ja die Famile Wirth mit Herta Hoppe vom ersten Stock in den vierten Stock zu der Familie Schneider gezogen. Am Ende des ellenlangen Korridors trennte nur eine 6 cm Starke Wand die Wohnung Mindener Str. 22 von der alten Wohnung Tauroggener Str. 40. Heinrich Wirth schlug ein Loch durch die Wand und setzte eine einfache Zimmertür ein. Man konnte nun die alte Wohung betreten und sehen was noch stehen geblieben war.

 

Da war noch das Erkerzimmer als Schlafzimmer von Heinrich und Clara Wirth, das gemeinsame Balkonzimmer, das Wohn-Schlaf-Zimmer der Großeltern Carl und Luise Ölberg mit den alten Möbeln des Kunsttischlers Carl, die Mädchenkammer (altes Kanarienvogelzimmer), das halbe Toiletten- und Badezimmer mit Ofen, Boiler und Badewanne, sowie ein riesiges Loch mit Blick auf den bis zum dritten Stock raufreichenden Trümmerhaufens. Vom Wohnungseingang und der Treppe keine Spur mehr. Vom Trümmerberg aus konnte man den Küchentisch und die drüber hängende Wanduhr und die offen stehende Speisekammertür mit den gefüllten Einmachgläsern sehen. 

 

Heinrich Wrth als Geometer machte ein Zeichnung mit Aufmaß, wie man das offen stehende Flurende durch eine Steinmauer mit kleinem Fenster schließen konnte, das Badezimmer konnte man mit einer Rabitzwand aus Holzlatten und mit Drahtgeflecht umhülter Glaswolle teilen, alles natürlich auf einem Fußbodenbalken, der beide  Brandmauern verband. Vom ehemaligen Badezimmer blieb also nur nur die rechte Wand mit dem Klo stehen. Die Speisekammer blieb mit Badewanne und Ofen verloren. Die Zeichnungen wurden von der Bauaufsicht genehmigt und eine sofortige Baummaßnahme veranlaßt. Ein Herd wurde angeschafft und auf dem Flur aufgestellt. Soweit war alles OK, aber die Steinwolle kratzte fürchterlich und blieb ein ständiges Ärgernis.

 

Als die genehmigten Baumaßnahmen stattgefunden hatten, war ein halbwegs normales Leben wieder möglich.

 

ENDE