Günter Wirth
Günter Wirth

1947: Britischer Sektor

Als die Engländer von den Russen einen Teil Berlins übernahmen, u.a. Charottenburg und Wilmersdorf, die später zu einem Gebiet Charlottenburg-Wilmersdorf zusammen gelegt wurden, kamen zahlreiche Veränderungen. In der Schule wurde der Russisch-Unterricht in Englisch geändert. Neue Lehrkräfte wurden angestellt. Es gab wieder Papier und Schulbücher. Am Reichskanzler-Platz, der ab 1933 Adolf-Hitler-Platz hieß, 1945 seinen ursprünglichen Namen wiederbekam und am 19.12.1963 in Theodor-Heuss-Platz umbenannt wurde richteten sich die Engländer besonders konsequent ein. Aus dem Hochhaus wurde der NAAFI Club (Navy, Army und Air Force Institutes) mit einem großen PX-Store. Deutsche durften da nicht rein, nur Amerikaner, Alliierte und deren Angehörige. 

Günter Wirths Freund Frederick, der Sohn des norwegischen Militärattaschée General Collin durfte und besorgte ihm Dinge, die es in deutschen Geschäften nicht gab. Der PX hatte auch sowjetische Zigaretten, die bei den Engländern sehr beliebt waren. Sie waren mit schwarzem Papier gewickelt, hatten ein goldenes Mundstück, waren dünner aber länger als deutsche Zigaretten oder Amis. Bei den Collins wurden sie im Kreis der englischen Offizieren immer bevorzugt. Auch der Abgeordnete Williy Brandt, den Günter Wirth hier kennen lernte, raucht sie. 

Nicht weit vom NAAFI-Club entfernt, hatten die englischen Quäker einen Jugendclub, den Günter Wirth und einige seiner Kameraden der Oberprima (18) häufig besuchten. Da wurde gefetet bis in die Nacht hinein und oft genug übernachteten sie auf dem Fußboden. Unter ihnen war auch eine junge Studentin (21) Ursula Bartsch, von ihnen Uschi genannt. Sie studierte Erdkunde und Pädagogik an der PH Abteilung 1  für Grundschulpädagogik. Sie kam nach ihrem Examen als frisch gebackene Lehrerin und wurde von den sie kannten Jungen weiter gedutzt..