Günter Wirth
Günter Wirth

1946: Einsegnung***

Günter Wirth wurde 1946 eingesegnet. Er war eine schwere Zeit. Er hatte ständig Hunger und es war fürchterlich kalt. Eine Uniform hatte er ja nicht mehr, Zivielkleidung ebenfalls nicht. Nur die von seinem Vater aus Franreich mitgebrachte belgische Offiziersuniform

war noch vorhanden, aber die konnte er ja nicht zum Konfirmationsunterricht anziehen. Der Unterricht fand im Gemeindehaus der

Gustav-Adolf-Kirche in der Herschelstraße am Bahnhof Jungfernheide statt. Zum Unterricht müßte jeder Schüler eine Presskohle mitbringen.

 

Seine Mutter fand einen Ausweg und nahm einen noch vorhandenen Blyepullover, aus dem er längst rausgewachsen war, schnitt den Halsausschnitt auf , legte die Ecken um und plettete sie so, sodaß sie von weitem wie ein Revier einer Anzugjacke aussahen.

 

Zur feierlichen Einsegnung selbst mußte er einen alten Hut ausetzten. Einen Hut hatte Günter Wirth noch nie getragen und fand ihn schrecklich. Als er in Begleitung seiner Mutter über die wieder hergestellte Schoßbrücke ging, nahm er ihn ab und trug ihn in der Hand. Ob es in der Kirche warm war, weiß er nicht mehr. 

 

ENDE