Günter Wirth
Günter Wirth

1944: Wohnung Saalfeld

 

Stabswachtmeister Heinrich Wirth  läßt aus Preussisch-Holland seine Ehefrau und Schwiegermutter nach Saalfeld kommen  und.der Familie wird eine Einzimmerwohnung zugeteilth. Herta Hoppe flieht vor den Sowjets zu der Famtlie von Heinrich Wirth nach Saalfeld.

Nun lebten in der Einzimmerwohnung fünf Personen: Ehepaar Heinrich und Clara Wirth, Großmutter Luise Ölberg, Sohn Günter und Herta Hoppe.  Sie mußten sich die Schlafgelegenheiten teilen.  Das Ehepaar in einem Bett.  Daneben im zweiten Ehebett Herta (35) mit Günter (12) und Großmutter (74) auf der Couch.

 

Günter Wirth  wird im Saalfelder Gymnasium angemeldet. Die thüringer Mundart machte ihm Schwerigkeiten. Einem anderen, einem 

aus Hamburg, ging es ebenso.  Bei einem Aufsatz "Blick aus den Klassenfensten auf die Berge",  bildete er sich ein, in Berlin zu sein und schwindelte das Blaue vom Himmel runter.  Einem neben ihm sitzenden Schüler in schmucker Flieger-HJ Uniform, der zeitweise auf dem Flugplatz Schwarza Dienst hatte  und dadurch im Schulunterricht zurück geblieben war, half Günter Wirth  wo er nur konnte.

 

Bei  einem  Klassenausflug  in die umliegenen Berge  wuden sie  von einer  P-47  angegriffen  und  beschossen.  Lehrer und Schüler retteten sich in Ackerfurchen und Gräben und  niemand  kam zu Schaden. Weiter tief in Wald fing plötzlich der Boden unter den Füs- sen an zu beben und wackeln. Als er es dann seinem Vater später erzählte, verbot er ihm darüber zu sprechen. Heute weiss er, dass unter den Bergen Fabrikstätten und Abschußbasen für die V2 lagen.

 

Als es in Saalfeld  eine Sonderzuteilung von Rhababer gab  und  Schlangen von Müttern und Kindern anstanden,  machten die Jabos Tiefflugangriffe  und schossen auf sie,  trieben sie auseinander.  Die Amerikaner hatten Langeweile  und machten sich ein Vergnügen daraus.  Eine Abwehr gab es nicht mehr.

 

Als Günter Wirth  sich bei dem DJV meldete, war er dem dortigen Fähnleinführer  in seiner Evakuierten-Ausstattung unheimlich.  Das

angetretene Fähnlein war ein Sauhaufen, Sommer- und Winteruniformen wild durcheinander, Schuhe und Socken ebenso. Der Fähn-

leinführer  sah sein Erschrecken,  konnte aber auch nichts  mit dem in DJ-Uniform und  Militärmantel gekleideten Mann anfangen. Sie grüßten sich kurz,  gaben sich die Hand  und trennten sich.  Es war ein Glück für den Pimpf Wirth,  denn die Saalfelder Einheit  wurde wenige Tage später mit Werkzeug und Panzerfäusten ausgerüstet und zum Bau von Panzersperren in die Berge geschickt.

 

Das Saalfelder  Gymnasium  wurde nach zwei oder drei Monaten  geschlossen,  der Schulbetrieb eingestellt,  und  das Gebäude zum Lazarett umgebaut. Die Stadt wurde von Kanpfverbänden freie Stadt.

 

Jetzt hatte Günter Wirth  zwei Jahre lang  keinen Schlunterricht mehr.  Mit seinem Hausgenossen  Wolfgang Zapf  trieb er sich  in der Stadt herum,  des Nachts  schliefen alle KInder wegen der Luftangriffe im Keller.  Sein Vater mußte sich auf Befeht des OKH in Berlin

mit seiner Saalfelder Vermessungsabteilung nach Vernichtung des gesamten Materials absetzen.

 

ENDE (überarbeitet am 16.5.2018)  FERTIG