Günter Wirth
Günter Wirth

1944:  Günter im OKH Saalfeld

In den Sommerferien 1944 besuchte Günter Wirth  seinen Vater im OKH in Saalfeld.  Die Vermessungsabteilung des Oberkomandos

wurde ja vom Bendler Block in Berlin  aus nach Saalfeld in die Schokoladenfabrik Mauxion verlegt,  die jetzt für die Besatzungen von Panzern und  U-Booten Früchteriegel herstellte. Hier wurden einige Räume für die Vermessungsabteilung freigemacht.

 

Günter Wirth wurde als Sohn ihres Chefs von der Mannschaft freundlich aufgenommen.  Er konnte  sich frei bewegen  und sich alles ansehen. An langen Tischen an beiden Fensterseiten saßen  Frauen und Männer,  einige in Uniform.   Es waren alles Menschen mit Berufen, die etwas mit Zeichnen  zu tun hatten.  Da waren  Grafiker, Techniker, Illustratoren, Karthografen, Vermessungs-Fachleute, Maler, und andere mit ählichen Berufen. 

 

Zwischen den beiden Seiten war in der Mitte eine große auf Schienen fahrende Maschine. Sie war oben mit einem Sitz vor mehreren

Instrumenten ausgestattet. Unter ihnen war ein Okular  zum Betrachten  von quadratgroßen  von Aufklärungsflugzeugen  gemachten Lichtbildern. Sie hatten alle in der linken Seite oben am Rand eine Uhr abgebildet, auf  der die genaue Aufnahmezeit angezeigt war.

 

Die Fotos wurden nebeneinander unter das Betrachtunsgerät gelegt  und die in Sekundenabständen gemachten Fotos boten nun ein

stereometrisches Bild. der aufgenommenen Landschaft.  Günter Wirth wurde es schwindlich beim Blick auf norwegische Fjorde  oder

auf die Bergwelt Kretas. Die Aufnahmen waren so scharf, daß man eine im Rinnstein liegene Streichholzschachtel  einwandfrei iden-tifizieren konnte  und bei einem auf einer Bank sitzenden Menschen die Zeitung mitlesen konnte. Und das alles bereits 1944!

 

Günter Wirth  freundete sich mit Soldaten  und einer Kinderbuchzeichnerin an,  die ihm ein Skizzenbuch  mit einer Mäusekinderschar und einer Widmung  "Im Weglassen liegt die Kunst!" schenkte.  Dieser Spruch  hat Günter Wirth  sein  ganzes späteres künstlerische Schaffen  hindurch begleitet.  Der Unteroffizier Max Beckmann,  ein Briefmarkensammler,  führte ihn zum Sammeln von  Briefmarken ein und schenkte ihm zum Geburtstag einen großen schönen Satz der Wehrmacht.

 

Mit einem Obergefreiten, von Beruf her Kunstmaler, der  technisch gesehen eine Niete  und für die Arbeit in der hochtechnischen Ab-teilung völlig ungeeignet war, schickte Oberstaatswachtmeister  Wirth mit seinem Sohn Günter zum Malen in die Natur. Hier entstand

von Günter Wirth 1942  die Bleistiftskizze der Burgruine  Hoher Schwarm,  die er dann  als Federzeichnung überarbeitete  und  Jahre  später als Collage  mit einem seiner Tails verband.  Sie hängt heute  zusammen  mit einer  Installation von  drei konstruktiven Bildern 

im Saalfelder Kunstmuseum. (siehe Zeitzeugnisse: Abstrakte Arbeiten Bild 2 und Ausstellungen Bild 40 !).

 

Ein Unteroffizier  Max Beckmann  hatte eine schöne Deutschland Briefmarkensammlung  und verleitete  Günter Wirth  zum Sammeln

von Briefmarken. Er schenkte ihm zu seinem  Geburtstag am 22.Januar 1943 einen schönen  Wehrmachtssatz.

 

Günter Wirth verblieb mehrere Tage im OKH  und schlief auf einem Metallbett im Arbeisraum der Luftbildauswertung.  Alle Mitarbeiter und auch der Hauptmann Prof.Dr.Dr.Kreuznach wußten davon.

 

Dann wird Günter Wirth  als Soldat eingekleidet,  erhält Uniform, Stahlhelm und Karabiner und soll  als Melder eingesetzt werden.  Er hatte aber weder eine Ausbildung,  noch wußte er mit einem Karabiner umzugehen.  Und was sollte er und an wen denn  Meldungen bringen ?  Es gab keine Deutschen Kampfverbände mehr, Saalfeld wurde zur offenen Stadt erklärt  und die Schulen sollten Lazarette werden. 

 

Er konnte aber nun nicht länger in der Luftbildauswertungsabteilung bleiben und so brache ihn Heinrich Wirth bei einem befreundeten Fleischer  in dessen Geschäft am Markt unter.  Hier lernte Günter Wirth  ein richtiges thüringer Gericht kennen,  thüringer Klöße, grün und nicht  weiß wie jetzt,  mit  Fleischrouladen  und einer kräftigen braunen Soße.  Im Nebenraum des Verkaufladens  hingen von der Decke herab  Unmengen von  Würsten.  Einige davon waren von gelber Farbe,  so dick  war deren Fettschicht.. Solche dürften heute wohl nicht mehr verkauft werden. Aber damals ?

 

Im Wohnzimmer spielend  auf dem Fußboden sitzend,  es war ein trübdunkler Tag,  hört Günter Wirth im Rundfundfunk  von dem auf den Führer erfolgten Mordanschlag. Tage später wundert er sich über die vielen Unglücksfälle bekannter Offiziere und Personen.

 

Heinrich Wirth  meldet seinen Sohn  noch vor dem Umbau zum Lazarett  am Saalfelder Gymnasium an,  läßt aus  Preußisch-Holland

seine Frau  und Schwiegermutter  nach Saalfeld kommen  und erhält eine Einzimmerwohnung,  in der er nun  mit drei Personen  lebt.

 

ENDE  (uberarbeitet und ergänzt  am 8.5.2018) Fertig !