Günter Wirth
Günter Wirth

1943: Todeslager Rheinwiesen

Der Vater  von Günter Wirth hatte vom OKH (Oberkomando des Heeres) Berlin 1943  Befehl erhalten,  Maschinen und alles Material zu vernichten  und die Abteilung in Saalfeld  sollte sich  zu je zwei Mann  in Richtung der amerikanischen Front  absetzen.  Irgendwo

wurde der Stabsfeldwebel Heinrich Wirth dann gefangen genommen. Als erstes mußte er seine Waffen abgeben. Dann kamen sofort die Uhren und Eheringe dran. Farbige Sodaten sollen sich den Spaß  gemacht haben, ihren weißen Kameraden die Ringe zu klauen, um sie den Deutschen zurück zu geben. Sie bekamen natürlich selten die eigenen zuruck. Dann brachte man die vielen Gefangenen zu einer Sammelstelle,  zu den berüchtichtigten Rheinwiesen,  die zur Zeit wegen der Schneeschmelze in Modder und Schlamm lag-

gen. Die Amerikaner waren durch die Tausenden von deutschen Gefangenen total überfordert, eine ordentlich Verpflegung war nicht möglich. Man warf ihnen für etwa zehn Mann ein Brot zu, um das sie sich stritten. Es fiel runter in den Morast,  wurde zertreten und so hatte niemand etwas davon.  Einige Amerikaner warfen den Deutschen Schokolade zu,  ob aus Gemeinheit oder Unwissenheit, weiß Günter nicht. Jedenfalls starben etliche daran. Einem Ausgehungerten darf man keine Schokolade geben.  Noch heute im Jahr 2018 ist das Graben auf den Rheinwiesen verboten,  man würde dann auf die Tausenden von Skeletten stoßen.  Aber auch auf die Erkennungsmarken der Soldaten und so bleiben sie bis heute als verschollen und die Familien weiterhin in Unkenntnis.

 

Die Amerikaner wollten und mußten sich entlasten und übergaben viele der deutschen Gefangenen den Franzosen. Die steckten die zum Abeiten in Salzbergwerke,  wo die meisten von ihnen starben.  Auf den Rheinwiesen entließen die Amerikaner Verwundete  und Erkrankten. Wer in einer Amerikanischen Zone  seine Familie hatte  wurde ebenfalls entlassen.  Die Abschiebung  erfolgte in offenen Güterzugwagen.

 

Henrich Wirth war am ganzen Körper mit Geschwüren bedeckt, große Beulen mit einem Loch oben, aus denen Eiter quol.  Sie sahen aus wie Vulkane. Da seine Familie jetzt ebenfalls im besetzten amerikanischen Gebiet  in  Saalfeld wohnte, wurde auch er entlassen.  Heinrich Wirth lag erschopft in einer Wagenecke und mußte zusehen,  wie ein Kamerad sich laut freute nach Hause  zu kommen. Als andere Entlassene  ihn an seiner Mundart  als Berliner erkannten,  ergriffen die "lieben" Thüringer ihn  und warfen  ihn  aus dem fahr- enden Zug zwischen die Räder Zuges..

 

Heinrich Wirth  erreichte Saalfeld  und schleppte sich   in Richtung der Wohnung.  Clara Wirth  war mit ihrer Mutter  und der Freundin

Herta Hoppe, der ehemaligen  Gesellschafterin  von Frau Heinrich  in  Preußisch-Holland,  in den Bergen  zum  Sammeln   von  Bau-beeren. Günter Wirth  war mit  Wolfgang Zapf  auf dem  zerstörten Banhofsgelände  um nach Brauchbarem  zu suchen.  Es war also 

niemand zu Hause. Als Heinrich Wirth die Wohnung erreichte, las Frau Zapf ihn auf und brachte ihn  in Ihre Wohnung, wusch ihn und

steckte ihn   in eines ihrer Betten.  Da fand ihn dann Günter Wirth  und erkannte ihn  nicht mehr wieder.  Aus den Kissen  schaute ein total weisshaariger und  braun gebrannter Kopf  hervor. Vierzehn Tage in der amerikanischer Gefangenschaft hatten aus einem rüsti- gen  Offizier einem alten Mann gemacht. Nun lebten in der Einzimmerwohnung wieder fünf  Personen.  Oma auf der Couch. Heinrich mit seirner Frau in einem Ehebett und Günter (12) mit Herta (35) im zweiten Ehebett.

 

Unteroffizier Max Beckmann  schafte es  nach seiner Entlassung aus der französischen Gefangenschaft  noch bis nach Berlin und in die Straßenbahn nach Weissensee.  An der Endstation mußte man ihn tot aus dem Straßenbahnwagen holen. Er hat seine Frau und Wohnung nicht wiedergesehen.

 

ENDE  (überarbeitet und ergänzt am 12. Mai 2018)  FERTIG !