Günter Wirth
Günter Wirth

1942: PREUSSISCH-HOLLAND

Brigitte(8), Günter(11), Clara(42), Herta(35), Oma Luise (68)

Die Fahrt mit der Kriegslok der Baureihe 42  verlief ohne Zwischenfälle. Auch die Fahrt in verschlossenen Abteilen durch den Korridor

verlief glatt und ohne Luftangriffe.
 

Die Preußisch-Holländer  warteten bereiis  auf de Berliner  Ankömmlinge.  Günter Wirth war  mit seiner  Mutter und Großmutter  einer Arztfamilie Dr.Heinrich zugeteilt worden . Da der Arzt Dr.Heinrich als Miltärarzt an ein Lazarett in Königsberg versetzt worden war und

seine Praxis  ein junger SS-Arzt  übernommen hatte,  war Frau Heinrich mit  ihrer Gesellschaffterin Herta Hoppe  auf dem  Bahnsteig.

 

  waren verwundert, daß es statt zwei angemeldeten Personen drei waren. Die Großmutter Luise Ölberg war ja nicht angemeldet, da sie Clara Wirth begleiten mußte. Sie führten die Drei zu dem Grundstück in

der Bahnhofstaße 5 (oder 8 ?), wo sie bereits in einem Zimmer im Dachgeschoß zwei Betten aufgestellt hatten. Nun wurde auf  der Schnelle ein drittes Bett herbeigeholt und aufgestellt.

 

Vom Dachboden aus führte eine Treppe hinunter zu den Wohnräumen und der Küche. Die Arztpraxis war im Erdgeschoß. Der Arzt Dr.Heinrich war einberufen worden und als Militärarzt einem Lazarett in Königsberg zugetelt worden. Seine Praxis war von einem

SS-Sturmführer Dr.Klingsich übernommen worden, der sich gut in die Familie Heinrich einfügte. Er war jung, drahtig und zackig. 

Wenn er mit dem Pferdewagen zu Patienten in der Gegend fuhr nahm er Illa Heinrich, die älteste Tochter der Familie und Günter Wirth, beide wegen der eisigen Kälte sorgsam in Decken eingewickelt mit. Günter Wirth erinnert sich noch heute daran, daß sein Frühstück aus etwa 10 bis 12 in die Pfanne geschlagenen Eier bestand.

 

Die Familie von Dr.Heinrich hatte vier Kinder. Illa (10), Brigitte (8), Hans (5) und Beate (3). Mit Günter Wirth (11) waren es nun fünf Kinder.  Frau Heinrich und Herta Hoppe machten viele Ausflüge in die Umgebung und in die Masuren mit der Famile Wirth. Herta hatte sich eng mit Clara angefreundet, Illa mit Günter ebenfalls. Brigitte wurde eifersüchtig und versuchte immer in Günters Nähe zu bleiben.

 

Hinter dem Haus der Famie Dr.Heinrich war ein kleiner Garten, wo die Kinder gerne spielten Er war durch einen großen Holzzaun vom Nachbargrundstück, dem Schulplatz des Gymnasiums abgetrennt. Der Zaun war aus schwarz angestrichenen Brettern mit oben  zugespitzten Enden. Die älteren drei Kinder der Familie Heinrich kletterten immer flink darüber, um mit den Kindern des Schulhaus-

meisters zu spielen. Günter Wirth gelang es nach ein paar Versuchen ebenfalls. 

 

Für die Evakuierten Schüler war das Gymnasium wohl wegen der vielen unterschiedlichen Altersstufen der Friesen-Schüler wenig

geeignet und so kamen sie in einem Neubau unter, in der Adolf-Hitler-Schule, einer Grundschule. Diese mußten sie sich mit den einheimischen Schülern teilen, vormittags diese, nachmittags die Friesen-Oberreal-Schüler. Deren mitgenommenen Lehrerrinnen hatten nun die Aufgabe, neben dem Unterricht am  Nachmittag, Vormittags ihre Schühler in deren Quartieren zwecks Kontrolle auf-zusuchen, um nach dem Rechten zu sehen. Waren die Schularbeiten gemacht? Gab es irgenwelchen Ärger? War etwas zu bean- standen? Das war besonders für die allein stehenden Schüler wichtig. Da ja bei Günter Wirth die Mutter mit equatuiert war, entfielen die Kontrollen bei ihm zumeist. Aber Dank der guten Lehrer der Friesen-Oberrealschule war ja auch wohl alles in Ordnung.

 

Die Klassenzimmer hatten nicht mehr wie in Berlin noch feststehende Sitz-und Tischreihen, sondern Tische unf Stühle getrennt. Der Lehrer hatte einen Einzeltisch mit einer Schublade, deren Boden aus einzelnen Holzbrettern bestand und einige Fugen aufwies. Im Winter 1942/43 machte sich einer der Jungen den Spaß, einen großen Schneeball auf eine der Spalten zu plazieren und nun gingen einige der Schüler ständig auf Tauchstation, um zu sehen, ob es tropfte. Dann fing der Lehrer an, sich hin und wieder über die Ober-

schenkel zu streichen. Die Schüler freuten sich. Als der Lehrer das Übel herausfand und sie lauthals lachten, nahm er den am lau-testen lachenden Günter Wirth sich vor. Er mußte vortreten, sich vor ihm aufstellen, sich zu ihm umdrehen und sich den Uniformkra-- gen öffnen. Dann steckte der Lehrer ihm den Schneeball zwischen Hemd und Hals. Nun hatten seine lieben Kameraden noch mehr zum Lachen, aber diesmal über Günter Wirth.

 

In die HJ ließen sich die Schüler der Friesen-Oberrealschule schlecht eingliedern, da sie ja verschiedenen Jahrgängen angehörten und ihre Zusammensetzung aus Dienstgraden unterschiedlichster Art bestand. Vom Pimpf bis zum Stammführer war da alles vor- handen. So wuden sie nicht dem Gau Ostpreußen unterstellt, sondern bildeten eine eigene Formation, das sogenannte E-Fähnlein. Sie bekamen um die Schulterstücke eine silberne Kordel, eine eigene Fahne, ein schwarzes Tuch mit großer Silberner Rune, oben rechts in der Ecke ein Weißes Feld mit Schwarzem E. Das E sollte wohl Evakuiert bedeuten, wurde aber allgemein von der Bevöl- kerung und den Jungen als E für Elite angesehen. Und als Elite fühlten sie sich auch. Die ältesten von ihnen, 14 bis 16 Jahre alte HJ-Jungen, ließen sich die Haare wachsen und hinten zu einem Kanten frisieren. Der Fartenknoten saß auf Halb-Acht und um den Hals banden sie sich unter der Uniformjacke einen Seidenschal. Das hatten sie sich von bekannten Offizieren der Luftwaffe und den Pan-zern abgesehen. Sie nahmen sich Freiheiten heraus die in Berlin nicht möglich gewesen wären. Die Jungen der Friesen-Ober-Real- schule waren alle zwischen 10 und 16 Jahre alt, denn älter als 16 wurde bei ihnen niemand, weil man ab 17 zur SS durfte und das wollten fast alle. Bis zum Abitur warten und eventuell noch vorher eingezogen zu werden, schmeckte den Jungs garnicht. Günter hat stets mit den Jagdfliegern oder den Panzerjägern geliebäugelt, aber das ging wegen seiner Körpergröße von 1,84m nicht. Aber noch hatte er mit 11 Jahren ja  Zeit.

 

Man hatte für die Pimpfe und Hitlerjungen des Ortes ein Jugendheim, das nun auch das E-Fähnlein benutzte. Neben dem Unterricht wurde auch viel gesungen. Beliebt war ein Lied mit dem Text am Anfang  "oh, hängt in auf,den .... ".   An was oder wen sie dabei dachten, war ungewiss. Neben dem Singen wurde oft über das aktuelle Frontgeschehen diskutiert. Über Politik wurde nie gesprochen und über Juden schon garnicht. Es gab ja auch keine mehr. Wenn das E-Fähnlein durch den Ort hin zum Jugendheim marschierte, war es immer der Aufmerksamkeit der Bevölkerung sicher. Wurde ein Mütterchen überholt, das einen Holzkarren zog oder einen Kin-

derwagen schob, genügte ein kurzer Pfiff, und zwei Mann der letzten Reihe stoben davon und übernahmen dessen weiteren Trans- port. Trotz des lotterlichen Aussehens oder auch deswegens, das E-Fähnleim war ein besonders zackiger Haufen.

 

Als im Spätsommer die Leistungswettkämpfe Ostpreußens im Königsberger Stadium stattfanden, nahm das E-Fähnlein daran Teil. Es besiegte alle Mannschaften des Gaus Ostpreußen. Beim Verlassen des Stadions mußten sie zu ihrem Schutz eine Igelformation (eine Raute mit den ältesten und stärksten drumherum und den jüngeren in der Mitte) bilden. Pimpf Günter Wirth war besonders gut in Leichtathletik und erhieltt das DJL (Leistungsabzeichen).

 

Waren die Erwachsenen mal unterwegs und die Kinder allein im Haus blieben, spielten sie im großen Wohnzimmer. Illa und Günter spielten am liebsten Kasperle-Theater, da konnten sie sich gut hinter dem Vorhang und unbeachtet  von den drei jüngeren Kindern verstecken. Wenn immer sich die Möglichkeit bot, zog Illa (10) Günter (11) mit hinauf zum Dachgeschoß, wo sie dann ungestört waren. Günter war es nicht immer recht, denn Illa hatte noch keinen Busen und unten herum noch keinen Flausch .Als Frau Heinrich für Illa einen Büstenhalter nähte, mußte Illa den Spott Günters ertragen. 

 

Irgendwie hatte Brigitte etwas mitbekommen und wurde mächtig eifersüchig. Als sie einmal unpäßlich zu Bett lag und Günter ihr am

Bett Gesellschaft leisten mußte verlangte sie von ihm, ihr den Metalteil eines Bügelhalters in den Schoß zu drücken. In der Folge 

wich sie Günter jetzt erst recht nicht von der Seite und begleitete ihn auf allen Ausflügen der Familien Heinrich und Wirth.

Man hatte für die Pimpfe und Hitlerjungen des Ortes ein Jugendheim, das nun auch das E-Fähnlein benutzte. Neben dem Unterricht wurde auch viel gesungen. Beliebt war ein Lied mit dem Text am Anfang  "oh, hängt in auf,den .... ".   An was oder wen sie dabei dachten, war ungewiss. Neben dem Singen wurde oft über das aktuelle Frontgeschehen diskutiert. Über Politik wurde nie gesprochen und über Juden schon garnicht. Es gab ja auch keine mehr. Wenn das E-Fähnlein durch den Ort hin zum Jugendheim marschierte, war es immer der Aufmerksamkeit der Bevölkerung sicher. Wurde ein Mütterchen überholt, das einen Holzkarren zog oder einen Kin-

derwagen schob, genügte ein kurzer Pfiff, und zwei Mann der letzten Reihe stoben davon und übernahmen dessen weiteren Trans- port. Trotz des lotterlichen Aussehens oder auch deswegens, das E-Fähnleim war ein besonders zackiger Haufen.

 

Als im Spätsommer die Leistungswettkämpfe Ostpreußens im Königsberger Stadium stattfanden, nahm das E-Fähnlein daran Teil. Es besiegte alle Mannschaften des Gaus Ostpreußen. Beim Verlassen des Stadions mußten sie zu ihrem Schutz eine Igelformation (eine Raute mit den ältesten und stärksten drumherum und den jüngeren in der Mitte) bilden. Pimpf Günter Wirth war besonders gut in Leichtathletik und erhieltt das DJL (Leistungsabzeichen).

 

Waren die Erwachsenen mal unterwegs und die Kinder allein im Haus blieben, spielten sie im großen Wohnzimmer. Illa und Günter spielten am liebsten Kasperle-Theater, da konnten sie sich gut hinter dem Vorhang und unbeachtet  von den drei jüngeren Kindern verstecken. Wenn immer sich die Möglichkeit bot, zog Illa (10) Günter (11) mit hinauf zum Dachgeschoß, wo sie dann ungestört waren. Günter war es nicht immer recht, denn Illa hatte noch keinen Busen und unten herum noch keinen Flausch .Als Frau Heinrich für Illa einen Büstenhalter nähte, mußte Illa den Spott Günters ertragen. 

 

Irgendwie hatte Brigitte etwas mitbekommen und wurde mächtig eifersüchig. Als sie einmal unpäßlich zu Bett lag und Günter ihr am

Bett Gesellschaft leisten mußte verlangte sie von ihm, ihr den Metalteil eines Bügelhalters in den Schoß zu drücken. In der Folge 

wich sie Günter jetzt erst recht nicht von der Seite und begleitete ihn auf allen Ausflügen der Familien Heinrich und Wirth.