Günter Wirth
Günter Wirth

1940: Kolberg

Günter Wirth (8 ) kommt mir der Kinderlandverschickung in ein großes Erholungsheim nach Kolberg. Dort herrschte eine sehr strenge Disziplin.  Nach Einnahme der Mittagsspeise (es gab viel Pudding als Nachspeise)  mußten zur Mittagsruhe alle Betten auf die große, das ganze Gebäude umlaufende Terrasse geschoben werden.  Es herrschte Ruhe und niemand durfte aufstehen.  Das war die Hölle! Für die vielen Kinder und Jugendlichen  standen nur wenige Toiletten zur Verfügung und deshalb gab es viele Unfälle. Das auch  des Nachts. In dem 8-Zimmer-Bett von Günter Wirth  konnte es ein Hitlerjunge  nicht aushalten, er  öffnete ein Fenster und entledigte sich seiner Notdurft.  Nur Pech für sich und für das ganze Zimmer, daß auf der darunter liegenden Terrasse  der eine Zigarette rauchende Bannführer stand. Das war toll!  Der kommende Tag fiel wegen Strafexerzierens aus.

 

Auf den Spaziergängen  an den Hafen  sah Günter Wirth  dessen Bombardierung  durch Stukas.  Es wurde ein Ufa-Film gesreht.  Die abgeworfenen Bomben waren Sandsäcke. Ein Film wurde gedreht.

 

Aut Spaziergängen  durch den Wald sammelten die Kinder und Jugendlichen  dicke Baumrinden, die dann zurück im Heim zu kleinen Schiffen bearbeitet wurden. Mit ihnen wurden von Zimmer zu Zimmer auf den Zimmerfußböden heftige Schlachten ausgetragen. Sein

Vater schickte ihm alle zwei bis drei Tage  Feldpostbriefe mit Drops, die er in Frankreich kaufte. Da die Rollen waren zu dick für einen Brief waren, machte er sie auf und legte die einzelnen Stücke nebeneinander zwischen zwei Briefseiten.

 

Als der Aufenthalt im Heim zu Ende ging sollten die Kinder sich Geschenke für Zuhause aussuchen.  Günter Wirth wollte sich so gern

ein  kleines Modellschiff aus Holz mitnehmen, aber das erlaubten die Schwestern nicht  und drehten ihm zwei Ohrringe  für die Mutter aus Bernstein  an.

 

ENDE  (Überarbeitet und fertig am 6.5.2018)