Günter Wirth
Günter Wirth

1939 Heinrich Wirth in Polen und im OKH ***

1939: Schütze Heinrich Wirth hat den ganzen Polenfeldzug mitgemacht und wurde nach dem Sieg wegen seiner Tapferkeit mit dem Infanteriesturmabzeichen ausgezeichnet.
1939: Schütze Heinrich Wirth (37) in Polen mit seinem Kameraden (er ganz rechts)

<< Neues Textfeld >>

1939: Heinrich Wirth (37) beim Zelten (links hinten)
1939: Heinrich Wirth (37) in Polen beim Lagern (Vorne in der Mitte)

Heinrich Wirth hatte den kurzen Polenfeldzug  als Infanterist  mitgemacht.  Er wurde Gefreier, Obergefreiter und wurde wegen Tapfer-

keit mit dem Infanterie-Sturmabzeichen  ausgezeichnet. 

 

Nach Ende des Polenfeldzuges wurde er,   da er (37)  von ziviel her Geometer,  also ein Vermessungsmensch,  war,   als Trigometer 

zur  Feldeinheit  der Artillerie-Vermessungsabteilung  im OKH (Oberkommando des Heeres) versetzt.  Die Abteilung  unterstand dem Genearalstab  des OKH.im Bendler-Block  in Berlin-Schöneberg.   Die Umrandung  der Kragen  und Schulterstücke änderte sich  von Weiß bei der Infanterie  zu Rot bei der Artillerie. 

 

Da der Krieg  im Westen  bevorstand,  verlegte man  die Vermessungsabteilung  von Berlin aus  mit allen  Geräen und Maschinen  in

einer  langen Lkw-Kolonne  in  die Nähe  der belgischen und französischen Grenze  und stationierte sie  in  Aachen,  wo sie für einige Tage verblieb.  Heinrich Wirth  hat noch lange  von der Zeit in Aachen geschwärmt.  Er schrieb Feldpostbriefe  an seine Frau in Berlin und an seinen Sohn  nach Kollberg,  wo dieser gerade  zur Jugendlandverschickung  weilte.  Ihm schichte er  immer Drops mit,  wozu er  die Rollen aufriß und die einzelnen Bombons zwischen die Briefbogernseiten legte.

 

In Aachen stand man den  belgischen,  französischen und   englischen Truppen gegenüber. Von Aufklärungsflugzeugen  wurden von

Belgien und dem Teil von Frankreich, der hnter der Grenze lag, Lichtbilder gemacht. Nach ihnen zeichnete und druckte man  2farbige

Karten  im Maßstab 1:40.000  mit Koordinatenverzeichnissen  und gab sie an die Truppe aus.  Daneben wurde wieder an einer  Fest-

schrift für Weihnachten 1939 gebastelt und gedruckt.

 

Dann hieß es warten und warten.  Es kam kam Ostern.  Am 10. Mai schlug main zu,  In Junkersdorf  kam  am 14. Mai für die Vermes- sungssoldaten der Marschbefehl. Für die Soldaten waren die Geländekarten bereits ausgegeben,

 

Mit der 1. Etappe kam  Heinrich Wirth  in das kleine Dorf Andler.  Hier sprachen viele,   die nicht aus Eupen-Malmedy geflohen waren, deutsch.  Nach 22 Jahren  war nun  Eupen-Malmedy wieder deutsch.  Die Vermessungsabteilung des OKH  vermaß nun die gesamte Atlantikküste von Belgien bis zur Biskaya.

 

1941  war für die  Vermessungsabteilung  der Felddienst  erstmal vorbei  und sie kehrte  zum Bendler-Block  nach Berlin zurück . Der Obergefreite  Heinrich Wirth  wurde zum Unteroffizier  befördert  und erhielt eine eigene Abteilung  zur Luftbildauswertung.  Sie setzte sich zusammen  aus Militärangehöigen und  Zivielisten. Sie kamen alle aus Berufen,  die etwas mit Zeichnen zu tun hatten.  Es waren Kartografen, Techniker, aber auch  Illustratoren und Kunstmaler.  Heinrich Wirth  wurde zum  Staatswachtmeister  befördert  und  ihm wurde das Kiegsverdienstkreuz 2.Klasse mt Schwertern verliehen.

 

Da  dieTagesangriffe  der Briten mit viermotorigen Bombern auf Berlin  immer heftiger wurden,  verlegte man  die  kriegswichtige Auf- klärungsabteilung  nach Saalfeld/Saale  in Thüringen.  In einer Schlucht  neben der Saale  und einer wichtigen  Eisenbahnverbindung lag die vor Luftangriffen geschützte Scholkoladenfabrik MAUXION,  die Kriesbedingt statt Schokoladenpralines  jetzt  für Panzer- und Fliegerbesatzungen Früchte-Nuß-Brot-Riegel herstellte.

 

Die Firma Mauxion gehörte dem Industriepatriarchen  Ernst Hüther, der am 1.Mai 1937  mit seinem Sohn Wener  der Partei beigetre- ten war.  Er wohnte  mit seiner Famile   in der Villa Bergfried,  die mit einem 20 Hektar großen Landschaftspark ausgestattet war, und

an dem  Günter Wirth,  als er ab 1944 in Saalfeld wohnte  und seinen Vater  nach Dientschluß von der Fabrik abholte,  immer entlang laufen mußte.  

 

Der Familie Ernst Hüther  gehörten  in Deutschland  viele Häser und  Grundstücke,  auch Erholungsheime.  In Saalfeld gehörte ihnen das  am Markt gegenüber dem Rathaus  gelegene  Mauxiem-Hotel ´Roter Hirsch´  und   in der Hauptstraße  die  berühmte Gastsätte ´Das Loch´, in der Heinrich Wirth sich mit anderen Öffizieren oft traf.

 

Günter Wirth war  in den Großen Ferien  in Preußisch-Holland 1944  zu seinen Vater in Saalfeld gefahren.  Die Zugfahrt dahin mit der

Krigslok  der BR 52  verlief ohne Zwischenfälle.  Sein Vater  holte ihn  vom Bahnhof ab  und brachte ihn  zu seiner Dienststelle  in der

Mauxion Fabrik.  Er wurde von den Mitarbeitern seines Vaters begrüßt und durfte sich alles ansehen.  Frauen und Soldaten saßen an einer langen Tischreihe an beiden Fensterseiten der großen Fabrikhalle  und arbeiteten.  In der Mitte zwischen den Tischreihen stand eine riesige auf Schienen fahrbate Maschine. Sie hatte oben vor einem Okular einen Sitz.

 

Günter Wirth  durfte durch das Okular  auf darunter  liegende Luftaufnahmen  mit oben links einer Uhr  blicken,  die eine sekundenge- naue Aufnahmezeit angaben. Sie waren dadurch  stereometrisch zu sehen. Er flog über die Fjorde Norwegens  und die Bergwelt  von

Kretas Küste. Die Fotos waren so scharf, daß man eine im Rinnstein liegende Streichholzschachtel genau identifizieren  und bei einer auf einer Bank sitzenden Person die Zeitung mitlesen konnte. Und das alles bereits im Jahr 1944 !

 

Heinrich Wirth behielt seinen Sohn für mehrere Tage in seiner Dienststelle und ließ ihn auf einem der obersten Metallbetten  schlafen.

Sein Vorgesetzter, Hauptmann und Professor Dr. Dr. Kreuznach wußte davon.

 

Tagsüber schickte er den Obergefreiten Paul Münchenhagen, der als Kunstmaler für ein hoch qualifiziertes Zeichnen von Landkarten

wenig geeignet war,  mit Günter Wirth  in die freie Natur zum Zeichnen und Malen. Hier entstand von seinem Sohn (12)  eine Bleistift- zeichnung der Burgruine ´Hoher Schwarm, die Günter Wirth später als Federzeichnung überarbeitet  und zu einer mit Tails verbunde-

nen Collage verarbeitete und die heute im Kunstmuseum der Stadt Saalfeld hängt.

 

Günter Wirth wurde im OKH als Melder eingekleidet  und erhielt Stahlhelm und den Maurer 98k Karabiner, mit dem er allerdings noch

nichts anfangen konnte, da er nicht daran ausgebildet war. Und übrigens, was sollte er  als Melder?  Zu melden gab es nichts, und an wen?  Heinrich Wirth wußte, daß Saalfeld eine Lazarettstadt und von Kampfverbänden befreit wurde. 

 

Heinrich Wrth  ließ seine Frau und Schwiegermutter  aus Ostpreußen nach Saalfeld kommen,  meldete Günter am Saalfelder Gymna- sium an und bekam für seine vierköpfige Familie  eine Einzimmerwohnung ohne Toilette zugeteilt.  Das Zimmer hatte ein Ehebett und

eine Couch.  Als sich   die Gesellschafterin Herta Hoppe   von der Familie Heinrich  in Preußisch-Holland  trennte  und zu den Wirth´s

nach Saalfeld floh, mußten nun 6 Personen in dem einen Zimmer leben. Ein Ehebett teilten sich Heinrich mit seiner Frau,  das andere

Herta Hoppe (35) mit Günter (12), die Couch wurde der Großmutter überlassen.

 

Das Gymnasium wurde nach zwei Monaten geschlossen und zum Lazarett umgebaut,  Heinrich Wirth erhielt  vom Oberkommendo in

Berlin den Befehi,  díe Dienststelle zu schließen, alles Material und die Auswertungsmaschine zu vernichten und sich mit seinen Leuten